Themenwoche Tag 1: Unser Denken

Schon lange haben die großen Discounter auch Bio-Lebensmittel in ihrem Angebot, Karstadt verkauft seit einiger Zeit auch Gepa-Schokolade und in den schön eingerichteten “Mc Café”s von Mc Donalds gibts jetzt auch Bionade. “Schön”, denken wir uns, “So böse scheinen die Konzerne ja gar nicht zu sein” und kaufen weiterhin fröhlich beim netten Discounter um die Ecke ein. Aber damit machen wir es uns ziemlich einfach.

Besser wäre, wir würden uns überlegen, wie sich die Arbeitsbedingungen in einem Discounter ändern, wenn nun eben auch Bio-Lebensmittel über das Warenband gehen, nämlich gar nicht. Oft versuchen große Unternehmen mit Sortimenterweiterungen in Richtung biologisch - regional - fair über Missstände hinwegzutäuschen, die in diesen Unternehmen sonst noch so herrschen. Wenn jemand merkt, unter welchen Bedingungen meine Kleider hergestellt werden, dann entschließe ich mich halt dazu, Gepa-Schokolade in mein Sortiment aufzunehmen. Das tut mir nicht so weh, wie wenn ich die Arbeitsbedingungen ändern würde, aber die Kunden sind trotzdem zufrieden. Übrigens geht das auch, wenn ich gute PR-Arbeit mache. Hier ein Beispiel:

Ich bin ein großer Sportartikelhersteller und jemand hat herausgefunden, dass meine Schuhe von zehnjährigen Arbeiterinnen aus Vietnam gemacht werden, die dort unter ziemlich heftigen Bedingungen Arbeiten. Als Unternehmen interessiert mich nicht, ob die Arbeiterinnen Urlaub bekommen, ob sie während der Arbeit aufs Klo dürfen, wo sie schlafen und wie sie von ihren Vorgesetzten behandelt werden. Es interessiert mich allein, was die potentiellen Kunden denken, die das Ganze irgendwann mal kaufen sollen. Was mache ich also? Ich arbeite ein nettes Konzept aus, mit dem ich innerhalb meines Unternehmens für gerechte Arbeitsbedingungen sorge und rufe das dann laut in die Welt hinaus. Die wenigsten wissen, dass die meisten Kleidungsstücke, Fußbälle oder Schuhe von Zulieferern gemacht werden, die sich gegenseitig mit ihren Angeboten im Internet unterbieten müssen. Wenn trotzdem jemand so weit denkt, dann schreib ich eben noch auf ein Blatt Papier, was ich, oder vielmehr die weiter denkenden Kunden von meinen Zulieferern wollen und lass das dann von jedem Zulieferer einmal unterschreiben. Ob die das dann auch wirklich machen ist mir als Unternehmen egal und außerdem ist es sowieso viel zu teuer, das nachzukontrollieren.

Es ist nicht einfach, solche Dinge zu entlarven, außerdem ist es so herrlich bequem, genau das nicht zu tun, trotzdem gibt es einige Gedanken, die dabei helfen können:

- Wenn etwas umweltverträglich hergestellt ist, ist es nicht automatisch unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt.

- Manchmal ist nur ein Teil des Produktes “Bio”. Zum Beispiel sagt das ÖKO-Tex-Siegel, das die Kleidung die man kauft nur mit schonenden Chemikalien bearbeitet wurde. Das heißt aber nicht, dass sie aus Biobaumwolle ist, oder dass die Arbeiter fair behandelt wurden.

- Oft wollen Unternehmen mit Ihren “guten Taten” von ihren weniger “guten Taten” ablenken. Deshalb ist es klug, sich zu überlegen, was man von dem Unternehmen vorher schlechtes gehört hat und sich dann zu überlegen, was das Gute, das man jetzt gehört hat, daran ändert.

Manchmal sind es ganz banale Dinge die uns die Unternehmen vorsetzen, um ihren Murks zu kompensieren. Weil wir nicht am Mc Donalds- lebensgefühl teilhaben können, wenn wir nicht in zum Mc-Donalds gehen, weil wir nicht mitreden können, wenn wir noch nicht in einem Starbucks-Coffee waren, weil es doch so herrlich bequem und auch so günstig ist, einfach in den Discounter um die Ecke zu gehen oder weil wir meinen, nicht dazu zu gehören, wenn wir nicht die dicke Marke auf unserer Kleidung haben. Oft reicht es auch einfach nur, wenn man sein Interesse an der Ware, die man kauft auch bekundet. Schreibt doch mal eine Mail an die von denen ihr kauft, oder fragt direkt vor Ort nach, woher die Dinge eigentlich kommen, die ihr einkauft, wer sie macht und wie bei der Herstellung auf die Umwelt geachtet wird. Das dient nicht nur euch zur Information, sondern stößt auch das Unternehmen, bei dem ihr anfragt vielleicht einen Denkprozess an.

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Schöner Startartikel. Aber da ist dann für mich als Konsument auch schon das erste Problem drin verpackt, wird ja auch erwähnt: Es ist schwer, sowas rauszufinden und für mich als Normalbürger ist es auch ein riesiger Dschungel von Firmen, die zusammen gehören, aufgekauft werden, etc, durch den ich gar nicht mehr durchblicke. Wer an wem wieviel % Anteil hat, das ist doch alles ziemlich komplex für so kleindoofis wie mich, die von dem ganzen Wirtschaftszeug reichlich wenig Ahnung haben.

Das heißt jetzt nicht, dass ich mich nach dem Motto: "Was soll ICH da schon machen" auf meinem Nichtwissen ausruhen will, aber ich stehe einfach oft an einem Punkt, wo ich mich frage, was es bringt, auf eines zu verzichten, wenn es so viele andere Dinge gibt, die ich konsumiere, von denen ich eventuell nichtmal weiß, wem sie alles schaden.

Ich freue mich auf die kommenden Denkanstöße!

Eine kurze Erläuterung zum greenwashing unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Greenwashing

liebe carolin, hier ein link zu genau diesem problem

 

 

http://www.bdkj.de/kritischerkonsum/index.php?id=97

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