Januar

Wie schon geschrieben, bekam ich im Januar Besuch von Caro (Voluntaria 2008/2009) und Philipp (mein Freund). Angekommen sind sie in der Nacht vom 5. auf 6. Januar. Das Problem am späten Ankommen ist, dass es außerhalb des Flughafens gefährlich ist. So sind Claudete und ich schon 1. Std. früher hingefahren, weil wir sonst keinen Bus mehr bekommen hätten und eben wegen der Gefahr. Nachdem wir eine Stunde länger warten durften als geplant, konnten wir die zwei endlich in Empfang nehmen zum Empfangskomitee kam noch Abraham hinzu, der danach nach Ate fahren durfte (östliches Lima, der Flughafen liegt im nord-westlichen Teil). Wir machten uns nach Barranco auf (süd-westliches Lima). Wegen der Gefahr außerhalb mussten wir ein Taxi innerhalb der Flughafens nehmen, kamen aber mit 40 Soles noch relativ günstig weg. Um 2 Uhr nachts kamen wir zuhause an und schliefen erstmal. Die große Willkommensfeier gab es 2 Tage später auf dem Dach von Barranco, mit Sonnenschirm, Planschbecken, kalten Getränken, Knapperzeug und natürlich Musik. Die Feier endete so gegen 3, am nächsten Morgen hieß es dann aufräumen, was durch unsere nichtvorhandene Motivation doch etwas länger gedauert hat.

Am 9. Januar machten Philipp und ich, uns auf nach Nazca, was gar nicht so leicht war, da wir über Nacht fahren wollten und es entweder keine Busse gab oder sie schon ausgebucht waren. So fuhren wir über Ica. Zwischenstopp um 4 Uhr morgens und 1 Std. warten auf den nächsten Bus. Um 8 kamen wir in Nazca an, es wurde kurz gefrühstückt danach sind wir zum Flugplatz gefahren um einen Flug über die Nazcalinie zu machen, leider gab es aber keine Flüge unter 100$ (nicht so wie es Philipps Reiseführer gesagt: zwischen 50 und 85 $). Daher fuhren wir zu einem Aussichtsturm, der zwar etwas klein war, aber man konnte trotzdem 2 der Linien gut betrachten („die Hände“ und „der Baum“). Als wir wieder in der Stadt waren, nahmen wir auch gleich den nächsten Bus nach Ica. Nach dem wir - bzw. besser gesagt ich- uns für ein Hotel entschieden haben, das einfach nur toll, aber etwas teuer, war, mit Pool, Fernseher und ganz wichtig heißem Wasser, ging es auf zu Huacachina. Eine Oase nahe Ica, hier buchten wie unsere Buggy-Sandboardingtour zum Sonnenuntergang. Sandboarden war mal wieder einfach nur super, außer, dass ich einmal vom Brett geflogen bin, aber nichts passiert. Und Sonnenuntergang in der Wüste ist einfach wunderschön. Abends aßen wir nur noch eine Kleinigkeit und nachdem wir keine Bar mit Pisco-Sour im Angebot fanden (in Ica befinden sich die meisten Piscodestillen, aber anscheinend kein Bar mit Pisco-Sour) und legten uns schlafen. Am nächsten Tag besuchten wir noch die erwähnten Piscodestillen, zumindest 2 davon.  Noch kurz Mittagessen und es ging wieder zurück nach Lima.

In Lima blieben wir bis Donnerstag Abend und besuchten die Sehenswürdigkeiten von Barranco, da ich auch noch ein bisschen das Zeltlager, das Ende Januar war, vorbereiten musste, blieben wir in den Stadtbezirken in der Umgebung.

Donnerstags ging es dann endgültig für  2 Wochen in den Urlaub, denn wir machten uns nach Mancora auf. Mancora liegt im Norden Perus an der Küste und gilt als die Touristenhochburg. Philipp und ich kamen morgens um 10 Uhr an, Caro und Mary so ungefähr um 13 Uhr. Philipp und ich suchten also in der Zwischenzeit ein Hotel, das auch schnell gefunden war (das gleiche, in dem Caro, Mary und ich 2009 genächtigt hatten) allerdings war es etwas teurer als geplant und da Mary nicht viel Geld dabei hatte, teilten wir uns auf: Philipp und ich im Zweibettzimmer im 1. Stock mit Dusche und Fernseher im Zimmer, Mary und Caro im Zweibettzimmer im Erdgeschoss mit Gruppendusche. Die Sachen brachten wir trotzdem erstmal alle hoch in unser Zimmer, da es doch etwas sicherer und sauberer war. Tagsüber ging es ans Meer, das hier oben richtig sauber ist, was man von Limas Stränden nicht wirklich behaupten kann. Danach Essen, was sich hier als wirklich schwierig gestaltete, da wir relativ unterschiedliche Geschmäcker hatten: Fisch oder Hühnchen, Pommes oder Nudeln. Und außerdem waren die Preise nicht gerade für den kleinen Geldbeutel. Tja abends wollten wir noch duschen, alle oben im Zimmer (Gruppenduschen sind nicht wirklich toll) und dann schlafen, leider kam uns eine Ratte dazwischen, die im Erdgeschoss Marys Apfel angebissen hatte. Danach wollte natürlich niemand mehr im Erdgeschoss schlafen, egal in welchem Zimmer. Denn unten war die Decke offen und so konnte das Tier überall hinlaufen. Im 1. Stock war es sicherer, da die Zimmer eine geschlossene Decke hatten. Nach einem Hin und Her zwischen Caro und der Besitzerin, schliefen wir zu 4. bei uns und am nächsten Tag wurde noch ein anders Zimmer dazugemietet. Ansonsten verlief der Urlaub ohne weiter größere Probleme. Sonne, Strand und Meer.

Am Sonntag gab es eine MSN-Konferenz mit dem Alianzateam, zum Glück war Mary an meiner Seite, die mir bei Verständnisproblemen weiterhelfen konnte, da auch hier in Peru äußerst gerne in Umgangssprache und mit Abkürzungen geschrieben wird, was für mich doch relativ schwer zu verstehen ist, da ich einige Sachen einfach nicht kenne und auch nicht ableiten kann. Noch schlimmer ist es nur, wenn sie zweideutig werden, daher sind hier manche Witze einfach nicht witzig und erklärt werden sie auch äußerst ungern. Nach der Konferenz ging es wieder zum Strand. Und es passierte etwas zum Thema „die Welt ist ein Dorf“. Als ich gerade am Dösen war, hör ich wie irgendjemand „Philipp“ ruft, als ich mich zu Philipp, Caro Und Mary umdrehte, die gerade Karten spielten, stand jemand bei Philipp und die zwei plauderten zusammen. Wie sich herausstellt, heißt er ebenfalls Philipp und die Philipps arbeiteten im gleichen Institut an der Uni. Der andere Philipp macht gerade eine Rundreise durch Südamerika. Wir wollten noch zusammen zu Abend essen, bevor wir uns nach Chiclayo aufmachten. Daraus wurde allerdings nichts, da der andere Philipp den halben Strand kannte und zum Schluss bei einer Gruppe von mind. 15 Personen stehen blieb, dort verabschiedeten wir uns.

 

Also ging es weiter nach Chiclayo. Philipp las mal wieder seinen englischen Reiseführer, den anscheinend fast jeder Touri hat, denn als wir auf einen Kräutermarkt ging, der im Reiseführer angepriesen wurde, trafen wir auf so viele Touris, wie ich sie sonst in ganz Chiclayo nicht sehe. In Chiclayo gingen wir außerdem noch zum Stand und nach Zaña, einem afroperuanischen Dorf, das uns Caro empfohlen hatte. Das Dorf wurde ursprünglich näher an einem Fluss gebaut, dann allerdings weggespült und weiter weg wieder aufgebaut. Zurückblieben einige Ruinen von Kirchen und anderen Gebäuden. Und natürlich spielten wir Karten mit Mary, ihrer Familie und der Familie ihrer Tante, das darf nämlich bei keinem Besuch fehlen.

Donnerstags nachts (20.01.) machten wir, Philipp und ich (Caro ließen wir in Chiclayo zurück), nach Cajamarca auf. Cajamarca liegt mehr oder weniger in den Anden auf etwas mehr als 2000 m. ü. M. und ist einer der wichtigsten Schauplätze für die Geschichte Perus, da hier der Inka-Herrscher Atahualpa getötet wurde. Auch so hat Cajamarca einiges zu bieten, so ist es z.B. die Karnevalshauptstadt in Peru. Wir kamen freitags früh morgens an und bekamen von einer Mitfreiwilligen ihr Zimmer zur Verfügung gestellt, da sie zu der Zeit nach Trujillo ging. Leider wurde uns erst nach 2 Stunden die Tür geöffnet, da sich meine Freundin im Tiefschlaf befand, danach gab es aber eine herzliche Begrüßung und Frühstück, so dass die Warterei schon fast wieder vergessen wurde. Sie führte uns auf dem Gelände rum, das entpuppte sich als riesiger Bauernhof in mitten der Stadt. Danach legten sich Philipp und ich erstmal aufs Ohr und erkundeten mittags die Stadt, da ich 2009 schon einmal in Cajamarca war, war dies allerdings nicht so schwer. Wir machten uns zum Apolonia-Hügel auf, von dem man die Stadt überblicken kann. Beim Aufstieg machte sich dann doch die Höhe von Cajamarca spürbar, da ich noch weniger Luft  hatte als sonst, aber wir sind oben angekommen und die Aussicht hat sich gelohnt. Es wurden noch zwei Touren für den nächsten Tag gebucht. Abends traf ich mich mit der JOC Cajamarca, die an diesem Freitag eine Sitzung hatten. So lernte ich auch ein bisschen ihre Arbeit kennen. In diesem Fall bereiteten sie sich gerade auf das Regionalseminar im Norden vor und arbeiteten eine Aktion für Hausmädchen aus. Zudem wurden wir von Moises für Samstag auf einen 15. Geburtstag von einer Freundin aus der MANTHOC eingeladen.

Am Samstag gingen wir mit unseren 2 Touren nach Cubemayo (Felsfiguren und Aquädukt aus der Vorincazeit) und Otuzca (Hängebrücke, in Fels gehauene Gräber und Käsefabrik-Cajamarca ist in ganz Peru für seine Milchprodukte bekannt). Natürlich vielen wir als Deutsche in der Reisegruppe von ca. 10 Personen gleich auf. So wurde gefragt, ob wir Pizarro (den Fußballsüieler) kennen, was uns nach Cajamarca führt und warum wir noch nicht in Cusco waren. Ansonsten war der Führer recht gut, erklärte einiges und ließ einem halbwegs die Zeit alles anzuschauen. Natürlich gab es am Wegrand auch jede Menge bettelnde Kinder und Frauen, was mich immer etwas stört. Nicht falsch verstehen, wenn die Kinder mit einem kleinen Lied (und wenn es noch so furchtbar gesungen ist) oder Süßigkeiten um etwas Geld beten, gebe ich gerne etwas. Aber einfach nur hinstehen und nach Geld fragen und auch noch beleidigend werden oder meinen nur weil ich weiß bin, bin ich reich und muss was geben, das geht mir doch gegen den Strich. Aber auch das ging rum und die Landschaft war einfach toll.

Abends ging es dann wie angekündigt auf den 15., leider waren wir etwas underdressed, da mein Reisegepäck etwas eleganteres als Disko nicht vorgesehen hatte und mir am Abend zuvor versichert wurde, dass ich auch in Jeans kommen kann. Leider werden 15. Geburtstage von Mädchen noch größer gefeiert als Hochzeiten, da es hier den Übergang von der Kindheit zum Erwachsen werden bedeutet. So hat das Geburtstagskind ein Prinzessinnenkleid an und Kronen und die Festgesellschaft kommt in Kleidern und Anzügen, bis auf Philipp und mir. Aber wie es in Peru so ist, machte das außer uns selbst anscheinend niemanden etwas aus. Und Moises hat uns vorher auch angemeldet. Nach dem offiziellen Teil gab es noch Essen und danach wurde die Getränkefrage ganz einfach geklärt in dem alle Bier bekamen. Um 1 machten wir uns nach ein paar Tanzrunden wieder auf den Rückweg.

Am Sonntag ließen wir es ruhig angehen, so schliefen wir uns aus und machten uns auf die Essenssuche, wobei wir schon unser Lieblingsrestaurant am Tag vorher gefunden hatten, dort gab es Spaghetti Bolognese zu einem halbwegs akzeptablen Preis, aber  Cajamarca ist auch um einiges billiger als Lima. Danach wollten wir zu den baños, was Sonntags Mittags eine etwas schlechte Idee ist, da jeder zu den baños geht, so kauften wir die Karten, vertrieben uns aber erst ein paar Stunden mit Sightseeing und Internet. Danach gingen wir noch einmal zu den Bädern, durften zwar immer noch ½ Stunden warten. Aber es hat sich gelohnt, wir bekamen Shampooprobepäckchen zum Baden und ich bekam das erste heiße Bad seit einem halben Jahr. Die Sauna konnten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen, wobei es sich um ein Dampfbad handelt, was richtig gut tat. Zur Erklärung: Die „baños del inca“ sind Thermalbäder, die noch aus der Inkazeit stammen. Sie wurden saniert und sind nun ein beliebter Touristenort. In verschiedenen Bädern kann man sich verschiedene Programme aussuchen, bei denenman 70° C warmes Thermalwasser mit kaltem Wasser zusammenmischet und so ein angenehm warmes Bad genießt. Außerdem gibt es noch Duschen, ein Schwimmbecken und die Sauna. Nach diesem Verwöhnprogramm machten wir uns wieder auf in die Stadt, dort besuchten wir die Franziskuskirche und buchten eine Tour für den nächsten Tag zur Farm „porcón“.

Früh morgens machten wir uns dahin auf. Und man hatte aufgrund der Landschaft ein bisschen Schwarzwaldfeeling. In der Farm selbst gab es einen kleinen Zoo, wo Tiere aus Peru untergebracht waren. Ein Bär tat mit allerdings richtig leid, da er alleine in seinem Gehege saß und seine einzige Abwechslung darin bestand, dass ihm die Besucher Früchte zuschmissen und er diese auffing, sich hinsetzte und mit den Händen fraß. Ganz zum Entzücken der Zuschauer, bei mir erregte das Ganze allerdings nur Mitleid für das arme Tier. Wir gingen auf der Farm was essen, wobei uns das eher aufgezwungen wurde, sowie die ganzen Toure immer wieder ein bisschen wie Verkaufsverantsaltungen aussahen, aber es wurde einem zum Glück nicht richtig aufgezwungen etwas zu kaufen. Da das ganze in der Nähe der Yanacocha-Mine lag und ein Hotel auf dem Gelände von Fujimori in Auftrag gegeben wurde, wurden Fujimori und die Mine, ganz zu meinem Leidwesen, immer wieder vom Reiseleiter angepriesen, da sie ja so viel Reichtum nach Cajamarca bringen. Was auch stimmt, aber leider werden dabei die Umweltaspekte und die Vertreibung der Bauern außer Acht gelassen. Dazu kann man sich auch den Film „Operation Teufel“ anschauen.

Im Haus wieder angekommen, packten wir unsere Sachen, gingen kurz Pizza essen und verabschiedeten uns von meiner Freundin, die gerade ankam als wir wieder abreisten. Schließlich waren wir wieder auf dem Weg nach Lima. Mit bequemen Sitzen aber schlechten Filmen kamen wir nach 18 Stunden an und ruhten uns erstmal aus.

Was wir in den folgenden Tagen in Lima erlebt haben, kommt im nächsten Blog, den ich hoffentlich auch bald fertig habe.

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Hallo Sabrina,

vielen Dank für deinen tiefen Einblick in deine Erlebnisse. Weiterhin viel Freude wünscht Volker

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