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Fujimori

[img_assist|nid=559|title="So unwichtig"|desc=|link=popup|align=left|width=201|height=156]Vor mehr als einer Woche wurde das Urteil über Perus Ex-Präsidenten Alberto Fujimori verkündet. Nach fast 1,5  Jahren Prozess wurde er im eigenen Land zu 25 Jahren Haft verurteilt. Darauf kann dieses Land sehr stolz sein, denn es ist das erste Mal, dass dies in Lateinamerika geschieht. Ich möchte diesen Eintrag nicht wie einen fundierten Zeitungsbericht schreiben, sondern euch etwas die Meinungen und Stimmungen darlegen, die ich in der vergangenen Woche über diesen Fall aufschnappen konnte. Aber hier gibt es zunächst einmal ein paar Fakten aus einer Zeitung, die wir hier lesen. Sie heißt "La Republica" und ist eine der seriösen Zeitungen hier:

Fujimori wurde am 28. Juli 1938 in Lima als Sohn von japanischen Einwanderern geboren (Dieses Datum ist wohl gefälscht. Da es zufällig auch der Tag der Peruanischen Unabhängigkeit ist und deshalb Perus Nationalfeiertag vermuten viele, dass er dieses Datum gewählt hat um Sympathie zu ernten). Als er die [img_assist|nid=560|title=Präsident|desc=|link=popup|align=left|width=100|height=88]Wahl 1990 gegen den berühmten Schriftsteller Mario Vargas Llosa gewann, war er politisch ziemlich unbekannt. Im Jahr 1992 löste er den Kongress auf, setzte die Justiz außer Kraft und hatte von da an eine "absolute, fast diktatorische Macht"(wörtlich übersetzt aus "La Repulica").
Die Zeit in der er an die Macht kam war geprägt vom Terrorismus des Leuchtenden Pfades(Sendero Luminoso) sowie der MRTA(Movimiento Revolucionario Tupac Amaru = Revolutionäre Bewegung Tupac Amaru). Während seiner Amtszeit fand unter [img_assist|nid=561|title=Gesucht|desc=|link=popup|align=left|width=70|height=100]anderem der Krieg mit Ecuador statt und die Führer von Sendero Luminoso und MRTA wurden gefasst. 2000 stellte er sich zum dritten Mal zur Wahl und gewann gegen Alejandro Toledo (später Präsident Perus). In diesem Jahr wurden einige Fälle von Korruption aufgedeckt, die ihm und seiner Regierung zuzuordnen sind und so floh er im Dezember nach Japan wo er dann nicht mehr behauptete Peruaner zu sein, sondern Japaner. Japan lieferte ihn nicht aus. Als er 2005 nach Chile reiste, wurde er dort auf bitten Perus von den Chilenen festgenommen und später an Peru ausgeliefert.
Seit 2007 stand er hier wegen Verstößen gegen die Menschenrechte und Fällen von Korruption vor Gericht. Am Montag vergangener Woche, dem 7.April wurde das Urteil verkündet.

Nun zum subjektiven:

Im Vorfeld der Urteilsverkündung habe ich mich mit vielen Jugendlichen unterhalten, die der Meinung waren, dass Fujimori in jedem Fall schuldig ist. Oftmals war da aber gleichzeitig ein Misstrauen in die peruanische Justiz. Ein Freund von mir sagte zum Beispiel: "Klar, eigentlich sollte er verurteilt werden, aber wer weiß schon, was bei der Korruption, die wir hier im Land haben wirklich passieren wird. Man kann nie wissen, ob die Justiz wirklich durchgreift, oder ob durch Bestechung die Ergebnisse verfälscht werden." Auf der anderen Seite gibt [img_assist|nid=562|title=Unschuldig|desc=|link=popup|align=left|width=144|height=108]es immernoch einen Teil der Peruaner, die auf Wände schreiben: "Fujimori inocente", was "Fujimori unschuldig" bedeutet. Zu mir hat zwar noch niemand gesagt, dass er der Meinung ist, dass Fujimori unschuldig ist, aber jedes Mal wenn ich mit dem Bus unterwegs bin in Viertel, die weiter außerhalb liegen, sehe ich diese Worte auf Mauern stehen. Als ich eine Bekannte fragte, warum es Leute gibt, die so denken, sagte sie zu mir: "In der Zeit von Fujimori wurde in vielen Gebieten die Infrastruktur verbessert, er hat Straßen gebaut, Schulen und viele andere Dinge, die man sehen kann. Da die Leute das bis heute noch vor Augen haben, verdrängen sie die Morde und anderen Vergehen, die er zu verantworten hat und fixieren sich auf das "Gute", das er gemacht hat." Eine andere gängige Taktik der Politiker ist es, den Leuten kurz vor der Wahl Grundnahrungsmittel oder Geld zu schenken und sie damit zu bestechen. Auch das hat Fujimori gemacht und so ist er in vielen Köpfen noch immer eine positive Figur.   
Ich persönlich war davon überzeugt, dass er verurteilt werden würde, vielleicht ist das ein Vertrauen in die Justiz, das hier nicht gerechtfertigt ist, aber bei so viel Öffentlichkeit in der ganzen Welt dachte ich, es sei unmöglich, ihn für unschuldig zu erklären. Alle Menschenrechtsorganisationen und auch viele Regierungen wären empört gewesen.
Jetzt, da das Urteil verkündet ist, sind viele optimistischer, aber immernoch gibt [img_assist|nid=563|title=Keiko|desc=|link=popup|align=left|width=163|height=118]es Zweifel. "Wenn 2011 Keiko Fujimori, die Tochter des Ex-Präsidenten die Wahl gewinnt, dann wird Fujimori nicht mehr lange im Gefängnis sitzen." Das ist die Meinung eines Jugendlichen, der jetzt zwar noch nicht 18 ist und somit noch gar nicht wählen, darf, der aber schon sagt: "Wir als Jugendliche müssen uns in den Wahlkampf einmischen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Keiko Präsidentin wird. Die Leute in meinem Alter haben keine wirkliche Vorstellung davon, was für eine Zeit das war, in der Fujimori an der Macht war und genau das ist die Gefahr. Wir als Jugendorganisation müssen uns stark machen um die Menschen aufzuklären!"
Ich denke, dass das die Leute sind, die man nicht nur hier in Peru, sondern auch in Deutschland braucht. Menschen, die die Demokratie nutzen wollen um ihr Land voran zu bringen. Was bringt eine Wahl, wenn gefälscht und bestochen wird? Was ist ein Präsident, dessen Regierung korrupt ist und der sich selbst bestechen lässt. Vor wenigen Monaten wurde ein großer Korruptionsskandal aufgedeckt und der aktuelle Präsident(Alan García) musste auf Druck hin mehrere Minister entlassen. Wenn schon beim Bürgermeister eines Dorfes nur Familienmitglieder in der Verwaltung sitzen, wie soll man da irgendwas neues machen, das Land voranbringen?

 

[img_assist|nid=558|title="Gekreuzigt"|desc=|link=popup|align=left|width=267|height=214]Zuletzt noch ein kleiner Kommentar zu dem Bild, dass ich hier eingefügt habe: Ich finde die Darstellung von Fujimori als Jesus sehr unangebracht. Bisher habe ich noch keine Erklärung gefunden, die nicht dazu führt, dass er in diesem Bild als armer Teufel dargestellt wird. Genau deshalb wollte ich dieses Bild hier einfügen. Es ist aus einer Zeitung niederen Niveaus, die zum Beispiel Taxifahrer sehr häufig lesen. Schätzungsweise weil sie günstig ist. Diese Zeitung gibt es in ganz Peru und obwohl ich die Auflage nicht kenne, bin ich mir sicher, dass sie sehr viele Menschen erreicht.

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