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Themenwoche Tag 2: Alnatura, der Supernaturmarkt

Die Biobranche boomt. Viele steigen auf bio um und wünschen sich regional angebaute Produkte zu erschwinglichen Preisen. Die “Supernaturmarkt”-Kette Alnatura unterhält inzwischen 37 Filialen hauptsächlich im Südwesten Deutschlands und bietet dort ausschließlich biologisch angebaute und erzeugte Waren an. Neulich habe ich einer Mitarbeiterin im Freiburger Alnatura auf den Zahn gefühlt - nämlich mir selbst - und ihr einige Fragen zu unserem Themenschwerpunkt gestellt.


Gibt es bei Alnatura ökologisch angebaute Produkte zu kaufen? Und woran kann ich diese erkennen?

Alnatura bietet ausschließlich Produkte aus ökologischem Anbau (Gemüse, Obst, Getreideprodukte, Süßwaren, Fertiggerichte, TK-Ware, Molkereiprodukte, etc.) oder ökologischer Herstellung (Drogerieartikel, Putzmittel, Babykleidung und -artikel, Putzutensilien, etc.) an. Diese müssen mindestens die EG-Bio-Richtlinien erfüllen, was an dem von einer Wabe umrandeten Bio-Zeichen erkennbar ist. Manchen Landwirten oder Verbrauchern genügen diese Standards jedoch nicht. Sie haben sich zusätzlich noch strengeren Grundsätzen verpflichtet und sind häufig Mitglied in einem der großen Bio-Anbauverbände, wie Bioland, Naturland, Gäa e.V., Ökosiegel, demeter und ECO VIN, um nur einige zu nennen.

Kann ich bei Alnatura regionale Produkte kaufen?

Alnatura achtet nach eigenen Angaben darauf, möglichst viele Produkte aus heimischem Anbau anzubieten. Der tatsächliche Anteil wirklich regionaler Produkte ist aber eher gering. Da Alnatura besonders auf möglichst günstige Endpreise achtet und dies oft und insbesondere auch über die hauseigene Marke Alnatura erreicht, leidet der regionale Anbau darunter. Artikel dieser Marken stammen von Landwirten und Betrieben, mit denen das Unternehmen langfristige Verträge in großem Stil abgeschlossen hat. So kommt z.B. die Alnatura-Milch aus einer Molkerei in Westfalen. Vielfach stammen Produkte aus dem europäischen Ausland oder gar aus Übersee (viele Getreidearten und Honig), weil die Nachfrage das Angebot überschreitet. Dies bemängeln auch die meist ziemlich anspruchsvollen KundInnen des Öfteren.

Wie sieht es bei Alnatura mit Produkten aus fairem Handel aus?

Der faire Handel steht eher im Hintergrund, obwohl sich Alnatura in seinen selbstgesetzten Richtlinien dem nachhaltigen Wirtschaften verpflichtet hat. Trotzdem gibt es ein paar fair gehandelte Produkte, wobei mir außer Schokolade im Augenblick wirklich nichts einfällt.

Warum werden diese Produkte im Laden geführt, bzw. warum eigentlich nicht?

 Irgenwie scheint fair ja zum nachhaltigen Wirtschaften dazuzugehören. Deshalb, und auch wegen der Nachfrage von Kunden wie mir scheint, werden wohl auch einige fair gehandelte Produkte angeboten, die aber mehr Alibi-Funktion haben, als alles andere. Die Überzeugung des Inhabers und Geschäftsführers, Prof. Dr. Götz Rehn, fusst eher auf der ökologischen Landwirtschaft und dem ganzheitlichen Denken, was den fairen Handel eigentlich zumindest teilweise einschließen müsste. Nachzulesen auf der Alnatura-Homepage.

Und hier schließt sich auch schon die Kritik an, die vom allzu “grünen”, nachhaltigen und “sozialverantwortlichen” Marketing des Unternehmens leicht verdeckt wird. Das Management spricht davon, dass Alnatura gemäß seines Slogans “Sinnvoll für Mensch und Erde” den biologischen Landbau fördern und zu seiner Ausweitung und Verbreitung beitragen will, da er der Nachhaltigkeit, und damit der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und Umwelt diene. Setzt man dies mit einer anderen Aussage von Alnatura (Kundenorientertheit ist das Leitmotiv, die Beziehung der Mitarbeiter untereinander maßgeblich davon geprägt) in Beziehung, kann man daraus seine eigenen Schlüsse ziehen. Meine - wohl in der Praxis erprobten - sehen folgendermaßen aus: Die Kunden sind die absoluten Könige. Was sie sagen ist beinahe Gesetz. Die Mitarbeiter müssen dafür sorgen, alles zu tun, damit die Kunden sich wohlfühlen, was manchmal bis hin zum Speichellecken geht. Deshalb ist auch der Slogan “Sinnvoll für Mensch und Erde” hier fehl am Platze und trifft nicht für alle Menschen zu. Außerdem gibt es auch im biologischen Anbau unterbezahlte Arbeitskräfte, vor allem – aber nicht nur - im Ausland und in Übersee.

Zusätzlich scheint die Supernaturmarkt-Kette den regionalen Handel kaputtzumachen. Kleinere Bioläden haben bei dem Preisniveau, das Alnatura seiner Kundschaft bieten kann, wenig Chancen. Und wer die Wahl hat, kauft häufig eher nach dem Geldbeutel als nach der Sozialverträglichkeit. Ob das der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft wirklich nützt? Weiterhin ist der Gründer von Alnatura Rehn der umstrittenen Anthroposophie verhaftet, die den Lehren Rudolf Steiners nahe steht. Auch die MitarbeiterInnen bekommen dies mehr oder weniger regelmäßig in Lehrgängen und Fortbildungen zu spüren. So hat es sich Alnatura auch auf die Fahnen geschrieben, an einer grundlegenden Erneuerung des geistigen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens zu arbeiten. Gerne darf es dies tun, aber nicht untermauert von den rassistischen und abstrusen Lehren Steiners. Diese Gedanken weiterzuführen würde den Rahmen dieses Artikels wohl sprengen. Deshalb und um zum eigentlichen Thema zurückzukommen, deshalb nun mein Fazit:

In der Bio-Bilanz schneidet Alnatura ausgezeichnet ab: 5 Sterne für das Unternehmen. Wer ökologisch Waren zu absolut günstigen Preisen einkaufen möchte, ist hier genau richtig. Im regionalen Bereich sollte es dagegen noch kräftig zulegen. Hier eventuell auf den nächstgelegenen Wochenmarkt ausweichen. Und für die Sparte fair muss es sich m. E. die Frage stellen lassen “Fair zu wem?” Zu den Kunden, den Angestellten oder dem Kakaobohnenanbauer?

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