Dezember

Hi Leute,

hier der Eintrag zum Dezember -- Weihnachten und Neujahr folgen bald:

Der Dezember war gegenüber dem November ein eher ruhiger Monat. So blieb ich den ganzen Monat in Lima und verbrachte die meiste Arbeitszeit im Büro. An größeren Aktionen gab es zwei Weihnachtsfeiern hier navideñas genannt. Die eine am 12. Dezember, diese wurde von der Nationalleitung veranstaltet. Hierzu wurden ehemalige JOCistas, die IPROFOTH-Mädels und einige andere Leute, die irgendwie mit der JOC in Verbindung stehen eingeladen.

Hier lernte ich auch Silvia und Rosa kennen, zwei Ex-JOCistas, die auf dem ersten Intercambio in Deutschland mitdabei waren. Rosa ist mit Jürgen Huber verheiratet und wohnt mit ihm in Lima im Stadtteil Surquillo. Und da gerade Adventszeit war, hat sie mich zum Weihnachtsplätzchen backen zu sich nach hause eingeladen, wasihr auch gleich dienstags darauf machten. Aber ich muss sagen, dass die Wohnung äußerst europäisch eingerichtet ist und es in der Küche an deutschen Lebensmitteln nicht mangelt. Zum Glück, denn Vanillezucker gibt es in Peru nicht. Nur der Ofen war peruanisch, heißt es war ein Gasofen, bei dem die Hitze ausschließlich von unten kommt, wodurch Silvia (die ebenfalls mitgeholfen hatte) und mir am Anfang die Plätzchen etwas schwarz wurden, aber irgendwann hatte wir den Dreh raus und es gab leckere Weihnachtsplätzchen.

Aber zurück zur navideña. Die lief im Groben so ab, dass eine Bibelstelle, natürlich von der Weihnachtsgeschichte, vorgelesen wurde und man wir danach darüber reflektierten. Danach erzählte ich wie ich Weinachten in Deutschland feiere und einige sagten was sie sich für Weihnachten wünschen, danach machten wir ein kleines Spiel und aßen zu Abend. Zunächst Hühnchen mit Reis und danach heiße Schokolade (hierfür wird Blockschokolade in Milch und Wasser gekocht und es kommen noch Gewürze wie Nelken, Zimt und Zucker dazu) mit Panetón (das ist ein Art Kuchen, die ich eher aus Italien kenne, der Teig schmeckt wie Hefezopf und es sind Zitronat, Orangeat und Rosinen beigemischt). Ich finde es eigentlich ganz lecker, wenn man allerdings Pech hat und der Panetón nicht richtig gelagert wurde oder nun mal die Firma einfach schlechten Panetón macht, kann es sein, dass es eher schmeckt wie „Made by BASF“. Mit dem Essen endet dann auch der navideña.

Das ungefähr Gleiche gab es auch am 19. Dezember, diesmal allerdings von der JOC Lima. Es gab ein Spiel zum Anfang. Wir machten den „gordischen Knoten“, der sich dann wirklich zu einem gordischen Knoten verwandelte. Mit einem kleinen Trick schafften wir es dann aber doch noch.

Auch an diesem Tag hatten wir spezielle Gäste. Zum einen brachte Luz eine Familie aus Deutschland mit, da die Söhne kein Spanisch sprachen, durfte ich als Übersetzerin dienen, was so spontan gar nicht so einfach ist. Und zum anderen war Bridget zu Besuch. Eine Bekannte von Nayely, eine Australierin, die für die internationale JOC in Belgien arbeitet und bis Februar in Cusco sein wird.  Mit ihr und Pety (Frau von Rolando) ging ich am 20. zum „Plaza de Armas“. 

Bei der navideña folgte noch ein weiteres Spiel, bei dem jeder sagte, was für ihn Weihnachten bedeutet. Es wurde wieder eine Bibelstelle vorgelesen und danach erstellten wir zwei Plakate zum Thema Weihnachten. Es wurde gegessen, ebenfalls was Deftiges, Panetón und heiße Schokolade. Danach ging der Abend auf sein Ene zu.

Außer den navideñas hatte ich auch ein bisschen andere Arbeit, so war am 04.12. ein Treffen mit ehemaligen JOCistas, die eventuell die JOC Lima begleiten könnten. Wir trafen uns im Haus der IPEC in Lince. Wir hieß die Nationalleitung, ich und 4 Ehemalige, darunter kannte ich Marco und Adelina. Wir redeten über die Problematik der Jugend in Lima und wie man diesen unter die Arme greifen könnte bzw. wie man es schaffen würde, dass sie sich trotz Zeitmangel zu Sitzungen treffen und so ein JOC Lima möglich ist. Demnächst soll es noch mal ein solches Treffen geben um an den Ideen weiterzuspinnen.

Aber dieser Tag wird mir wegen etwas anderem unvergesslich bleiben. So war ich vor der Sitzung mit ein paar Freunden in Gamarra einkaufen. Gamarra ist ein Viertel in Lima das fast nur aus Kleider- und Schuhgeschäften besteht und daher alles ziemlich günstig ist. Da ja Weihnachten vor der Tür standen, machten wir uns auf Geschenkesuche. Wobei man in Gamarra vorsichtig sein muss, denn durch die vielen Leute auf der Straße haben die Taschendiebe leichteres Spiel. Zusätzlich gab es am Tag zuvor in Gamarra einen Banküberfall, also waren  wir ganz besonders auf der Hut und es passierte nichts. Mit einer vollen Tasche ging ich zur Sitzung, da ich keine Zeit mehr hatte, die Sachen heimzubringen. Nach der Sitzung gingen wir alle zusammen noch zu Abendessen (außer Marco, der hatte was anderes vor). Ja und dann war Handtasche weg. Heißt meine gesamten Einkäufe, mein Perso, mein MP3-Player und was mich am meisten schmerzte meine Sonnenbrille mit Sehstärke waren weg.

Aber wie konnte das passieren? Wir wurden oft genug vor Diebstählen gewarnt.

Also wir saßen im Restaurant, weil meine Tasche voll war konnte ich sie nicht auf den Schoß nehmen, so stellte ich sie neben mir ab, aber mit einem Fuß darauf. Als die Getränke verteilt wurden, setzte sich hinter uns ein Pärchen (das ich zu dem Zeitpunkt nicht bemerkte). Kurze Zeit später kam die Bedienung völlig aufgebracht an und fragte ob etwas fehlt, da das Pärchen verschwunden war. Erst da bemerkte ich, dass meine Tasche nicht mehr da war. Ich hab zwar vorher etwas am Fuß gespürt, aber da wir ins Gespräch vertieft waren, habe ich nicht weiter darauf geachtet. Und so machte sich das Pärchen mit meiner Tasche und einem Taxi davon. Auch die Polizei, die recht schnell da war, konnte nichts machen. Aber es hätte mich schlimmer erwischen können. Immerhin war ich noch heil und zum Glück habe ich z.B. meine Fotokamera und meinen Reisepass zuhause gelassen. Denn den Perso zu verlieren ist anscheinend nicht schlimm, da die Botschaft als ich den Verlust melden wollte, gleich wieder heim geschickt hat.

Die Anzeige bei der Polizei hat mich einige Nerven gekostet. So musste ich erst die Anzeige aufgeben (ok-normal). Danach zur Bank gehen und die Anzeige bezahlen (etwas seltsam, aber ok). In der Bank war dann eine Meter lange Schlange (gut geht auch noch). Bis wir dann wieder bei der Polizei waren, war das zuständige Büro allerdings geschlossen. Und da dessen Öffnungszeiten an manche Rathäuser in Deutschland erinnert, kam ich erst die Woche darauf wieder dazu meine Anzeige abzuholen. Aber ich konnte sie nicht gleich mitnehmen. Ich gab die Quittung ab und durfte am nächsten Tag noch mal kommen um mir dann meine Kopie der Anzeig abzuholen.

Das ist hier anscheinend aber ganz normal. Wer meint die Bürokratie in Deutschland ist schlimm, hat sich geirrt. In Peru geht es schlimmer, das zeigte sich mir ganz deutlich, als ich ein Paket abholte. Während man in Deutschland, wenn man das Paket nicht an die Haustür bekommt, zum nächsten Postschalter läuft und mit seinem Perso und einer Unterschrift sein Paket in ca. 5-10 min abholt, dauert das Ganze hier mind. 1,5 h und wenn man Pech hat, darf man zur Postzentral am anderen Ende der Stadt, so wie ich. Man geht, dort angekommen, zunächst ein Formular ausfüllen, mit diesem Formular geht man zum nächsten Schalter, hier suchen sie das Paket, aber das kann dauern. Nach einer halben Ewigkeit wird man dann aufgerufen, das Paket wird von den Mitarbeitern vor deinen Augen geöffnet um zu schauen, ob man auch keine verbotenen Dinge einführt und auch so alles korrekt ist. Aber dann bekommt man das Paket immernoch nicht. Man darf Warten bis man an einem anderen Schalter aufgerufen wird, dort gibt man sein Formular ab, bekommt den Durchschlag um mit diesem zu dem Schalter gehen, an dem man das Paket abholt. Fertig nach 1,5 h.

So konnte ich im Dezember also die peruanische Bürokratie kennenlernen. Ansonsten war es eigentlich ganz ruhig und nachdem ich noch mal nach Gamarra fuhr, hatte ich auch meine Weihnachtsgeschenke wieder. Ab dem 17. wurde es ruhiger in unserem Haus in Barranco, da die Nationalleitung immer nach Hause zu ihren Familien fliegt. Und wie ich Weihnachten verbrachte kommt im nächsten Blog

(Sorry, dass es nicht viele Bilder gibt, aber mein Blitz funktioniert nicht und daher auch nicht meine Kamera. Ist aber in Reparatur. Und für Weihnachten gibt es die Bilder von Birgits Kamera)

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