Sabrina auf Reisen Teil 1

Wie schon im letzten Bericht geschrieben, bin ich die nächste Zeit immer wieder auf Reisen. So war ich vom 21.10 bis 27.10 im Norden des Landes unterwegs, genauer gesagt in Chimbote, Trujillo und Chiclayo, alles Städte, die an der Küste liegen.

Zunächts ging es donnerstags mit Walter nachts los nach Chimbote. Die Fahrt mit dem Bus dauerte ca. 8 Stunden . Und mittlerweile weiß ich, dass ich im Bus absolute schlecht schlafe, wenn ich überhaupt einschlafen kann. Am nächsten morgen kamen wir in Chimbote an und wurden von Robert mit seinem Mototaxi abgeholt. Wir gingen frühstücken und machten uns auf den Weg zu Roberts Chacra. Dort lebt er mit seiner Mutter und seinem Vater.

Aber was ist eine Chacra? Ich würde mal behaupten, es ist so was ähnliches wie ein Bauernhof, jedoch nicht die hochmodern, sondern noch so wie früher zu Grossmutters Zeiten ohne fließend Wasser, ohne Licht, dafür mit Plumpsklo mit der Aufbauweise wie ein franzosisches Autobahnklo. Und das Ganze mitten im Wald, zum nächsten Nachbarn braucht man mit dem Mototaxi 5 Minuten. Der Hof von Roberts Familie besteht aus drei kleinen Hütten, zwei aus Stein, das sind die Schlafhütten und eines aus Schilf, dort sitzt die Mutter den ganzen Tag vor der Feuerstelle und kocht Yuka, Wasser, Bohnen, Linsen usw. Natürlich gab es auch jede Menge Tiere: Schafe, Kühe, Hühner und Hunde.

Hunde werden in Peru eh ganz anders behandelt als in Deutschland. Es gibt zwar Leute, die Hunde als Haustiere haben und auch ganz liebvoll mit ihnen umgehen. Lorenzo und Fannys Familie z. B., sie geben ihnen fressen, spielen mit ihnen und streicheln sie wie in Deutschland bzw. so wie ich es normalerweise von mir und meinem Umfeld kenne, aber das ist eher selten. Für mich ist es besonders schlimm, wenn ich einen total verwahrlosten Hund sehe. Schließlich bin ich mit Hunden groß geworden, die für mich fast wie Geschwister waren. Hier ist es anders. Viele Hunde leben auf der Straße und leben vom Müll. Wenn sie in einer Familie sind, heißt das zwar vielleicht, dass sie was zu fressen bekommen, aber nur damit sie aufs Haus aufpassen und Streicheleinheiten gibt es eher selten, die sehen auch etwas brutaler aus. Außerdem sollte man sie lieber nicht streicheln, da sie sehr schnell zubeißen und allerhand Krankheiten übertragen können. Aber auch ist ihr Fell nicht wirklich gepflegt, bei Robert z. B. hatten alle Hunde eine Art Schuppenflechte und Flöhe sicherlich auch. Überhaupt in ganz Peru gibt es unendlich viele Hunde, um die sich niemand kümmert, die total verwildert sind und so auch gefährlich für die Menschen. Da fällt mir immer wieder ein, dass wir daheim sagen: „Manchmal würde ich gern leben wie ein Hund“ - aber nur in Deutschland. Und das schlimmste ist, dass es in Peru aber auch Menschen gibt, die wie peruanische Hunde leben müssen: also auf der Straße und sich vom Müll ernähren…

 

Aber zurück zu Chimbote, was mir dort als erstes auffiel war der penetrante Fischgeruch. Später hat mir ein Freund erzählt, dass das daher kommt, dass sie in Chimbote jede Menge Fischmehlfabriken haben, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre Reste durch die Kamine in die Luft feuern. Nicht gerade schön, aber ich habe mich irgendwann daran gewöhnt.

 

Bei Robert haben wir übernachtet. Ich im Zimmer mit Bett und die Jungs im anderen Zimmer mit zwei Buschmatten auf dem Boden. An diesem Tag besuchten wir noch Arturo, einen anderen Jungen von der JOC auf seiner Chacra, die war schon etwas fortschrittlicher, mit Licht und Wasser, da sie sich näher an der Stadt befindet. Zum Abschluss des Tages gingen wir zu Katty, Roberts Cousine und ebenfalls JOCista. Hier trafen wir uns mit ein paar anderen Jugendlichen, die vielleicht an der JOC interessiert sind und erklärten die JOC, ich durfte dabei wie immer die Partnerschaft erklären. Es gab noch Abendessen, dies war ausnahmsweise mal süß und bestand aus Pfannkuchen und Quake (alle Bestandteile davon hab ich noch nicht herausgefunden: ist aus Milch, Wasser, Schokolade, Zimt, Nelken und noch was Klumpiges – schmeckt  auf jeden Fall lecker). Und schon machten wir uns auf den Rückweg. Angekommen beleuchteten wir unsere Zimmer mit Kerzen zum Umziehen und legten uns schlafen (vorher wurden die Kerzen natürlich ausgemacht)

Samstags besuchte ich zusammen mit Walter, Robert, Katty und Viktor (Kumpel von Katty) einen Park, in dem gab es einen kleinen Zoo, einen Spielplatz und ein Schiff. Außerdem konnte man mit dem Zug (Bimmelbahn), Eselkarren, Quadt oder Ruderboot fahren. Wir entschieden uns für das Ruderboot. Das konnte man sich für eine halbe Stunde mieten und befand sich auf einem künstlich angelegten See, auf dem sich kleine Inseln mit Tieren befinden (Enten, Pinguine und ein Leguan). Danach gingen wir zu Katty, dort erklärte Walter die CAJ-Methode „Sehen, Urteilen und Handeln“. Und Viktor lud uns ein zu seiner Chorprobe in der Kirche. Hier durfte ich z. B. „Sound of Silence“ lauschen, das auf Spanisch zu einem christlichen Lied umgedichtet wurde. Zum Abschluss dieses Tages sind wir ins Stadtzentrum essen gegangen. Dort haben wir Felipe getroffen, der beim Intercambio 2003 in Deutschland mit dabei war. An dieser Stelle schöne Grüße von ihm an alle, die sich noch an ihn erinnern und an die anderen natürlich auch.

 

Am nächsten Tag (Sonntag 24.10), nach dem wir uns von allen verabschiedet haben, machten wir uns nach Trujillo auf. Hier übernachteten wir in einem Hotel. Abends besuchten wir die drei Jocistas George, Nancy und Richard. George erzählte uns über die aktuelle Aktion der JOC in Trujillo. Zum Abschluss gingen wir wie üblich zusammen Abendessen und machten uns wieder auf zu unserem Hotel. Montags besuchten wir noch mal Richard, Nancy und ihre 2-jährige Tochter in ihrem Haus. Das war für mich ganz interessant, da das Haus als erstes aus Busch- und Spannplatten aufgebaut wurde und jetzt wird nach und nach jede Wand durch eine Steinwand ersetzt.

Und schon ging es weiter für mich nach Chiclayo. Diese Reise war etwas privater, da ich nach Chiclayo wollte um Fanny und ihren Sohn Thiago (und natürlich die ganze Familie Sanchez) zu besuchen. In Chiclayo angekommen, holten mich Maria Laura und Geisen ab. Geisen war in Chiclayo auf Steppvisite bis zu diesem Tag. Bei Sanchez durfte ich auch „meine kleinen Neffen“ Thiago bewundern, der zurzeit noch die gleiche Haarfarbe wie ich hat, dazu noch ziemlich hellhäutig ist (naja die Eltern sind ja auch nicht die dunkelsten;-)) und dunkelgraue Augen hat. Und er hat eindeutig die Nase von Fanny. An diesem Tag hieß es erstmal ausspannen, da ich erst abends angekommen bin.

Dienstags gingen Mary und ich zu Liz, ebenfalls JOCista, die in einem Kleidergeschäft arbeitet. Hier war ich den halben Tag und hab auch gleich 2 T-Shirts gekauft;-) Danach ging es noch die Tanten von Mary besuchen, zuerst Tante Betty, danach Tante Laura, bei der es etwas länger wurde, daher schliefen wir dort und gingen erst am nächsten Tag heim. Die Geschichte von Thiago Geburt kenne ich jetzt auch auswendig.

 

Mittwochs besuchten wir Marys Uni, da sie ihre Dokumente und Zeugnisse abholen musste. Dann suchten wir Fernando, ebenfalls JOCista, der normalerweise als Schuhputzer arbeitet. Leider haben wir ihn aber nicht gefunden, da er nicht an seinem üblichen Arbeitsplatz war und auch kein Handy besitzt. So kauften wir noch mein Ticket für die Heimreise und dann hieß es auch schon Koffer packen. Abends bekam ich den Bus gerade noch rechtzeitig, da wir uns etwas verquatscht hatten. Weil uns aber keine Zeit mehr blieb ein Taxi zurufen, nahm mich Papa Sanchez kurzerhand auf seine Motorrad, samt Wanderrucksack, Handtasche und ohne Helm! Aber er ist ein sicherer Fahrer, daher musste ich nur hoffen, dass auch die anderen sicher fahren, aber es ging alles gut.

 

Schließlich kam ich donnerstags mit etwas Verspätung (2 Std.) in Lima an. Hier wartete auch wieder viel Büroarbeit auf mich. Bevor es samstags auf die nächste Reise ging…

 

Alle Bilder passen mal wieder nicht in den Blog rein, aber ihr könnte sie euch gern unter folgendem Link anschauen:

http://picasaweb.google.com/111578401994817449148/ChimboteTrujilloChiclayo?authkey=Gv1sRgCJ_ysd_Zx8bFNA#

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sehr schöner bericht. ich finde es toll, dass du auch nicht nur erzählst, was du gemacht hast, sondern auch, was dir aufgefallen ist, was anders ist als bei uns und was du davon hältst.

thiago ist halt schon n goldiger :) hoffe, du hast auf deinen weiteren reisen auch so interessante erlebnisse und machst neue erfahrungen.

Du isst Dinge, von denen du nicht weißt, was es ist? Respekt!

Quaker ist eine der vielen Haferflockenmarken, deshalb heißt das Gericht, das ähnlich wie der deutsche Haferflockenbrei oder das englische/irische Porridge ist, nun auch so: Quaker. 

Grüße an dich und die anderen CAJler/JOCler, die du noch so siehst!

Zunächtsmal freut es mich, dass ihr alle meinen Blog so aufmerksam mitverfolgt!

und ich wusste ja zumindest ansatzweise was es ist, und bei süßem kann ich einfach nicht wiedersterehen;-)

Grüße richte ich natürlich gerne aus.

 

LG Sabrina

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