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Weihnachten

Nun zu meinen Weihnachten in Peru. Die waren richtig schön. Anstrengen aber schön. Und Weihnachten ohne Stress gibt es glaube ich auch gar nicht.

Unser Haus leerte sich in Barranco langsam ab dem 17. Dezember, an diesem Tag reiste Walter nach Jaen. Geisen flog am 20. nach Nauta, Nayely verabschiedete sich am 22. und ich blieb allein zurück.

Ok ich war nicht allein. Nachdem ich alles erledigt hatte, was es noch vor Weihnachten zu erledigen gab, holte mich Luz zu sich nach Hause nach Los Olivos im Norden von Lima. Hier war ich alles andere allein. Da Fanny Pizarro, die Nichte von Luz, am 29. heiratete, war fast die komplette Familie aus Jaen angereist. Zudem kommen noch Rolando, Pety mit Familie und Birgit und Johannes Wolfmüller, die am 23. aus Deutschland angeflogen kamen um in Peru die Weihnachtsferien zuverbringen. Mit dieser bunten Mischung verbrachte ich Heiligabend.

Und es verlief fast ohne Probleme. Das einzige was nicht wollte, war der Truthahn. Ein stattliches Kerlchen von 8kg, das nun mal einfach nicht in einen peruanischen Standardofen passt. Aber das ist hier ja kein Problem, man geht einfach zur Bäckerei um die Ecke und die machen das dann. Nur waren wir nicht die einzigen, die auf diese Idee kamen und so wurde uns um 17.00 Uhr gesagt, dass der Truthahn 6 Stunden braucht, also 23.00 Uhr, ist ja aber alles halb so schlimm. In Peru fängt Weihnachten und somit auch das Weihnachtsessen erst um 0.00Uhr vom 24. auf den 25. an.

Nachdem auch alles andere so langsam gerichtet war, machten Birgit, Luz und ich uns zur Weihnachtsmesse auf. Vom Ablauf gab es hier keinen großen Unterschied als zu der mir bekannten Weihnachtsmesse. Aber die Lieder waren um einiges fröhlicher angestimmt und am Anfang fragte der Pfarrer erstmal was es bei jedem zuhause zu essen gibt. Es wurde noch ein Kind gesucht, das das Christkind hereinträgt und dann konnte es los gehen. Am Schluss wurden die mitgebrachten Christkinder der Kirchgänger getauft. Was ich ein bisschen Schade fand, war, dass es äußert europäisch aussehende Christkinder waren. Denn Peru hat seine ganz eigenen peruanischen Christkinder, die ich richtig süß finde, aber von diesen sah ich in meinem Umfeld nur eins, alle anderen waren goldlöckig und hellhäutig.

Nun ging es wieder heim und Birgit hatte von der ständigen Auf- und-Niederprozedur einen Riss im Kleid, genau an der Stelle ihres Allerwertesten. Aber zuhause umgezogen konnte es weitergehen…mit dem Warten. Denn natürlich war der Truthahn nicht um 23.00 fertig. Zudem kamen noch unverhofft Gäste hinzu, so hat Pety noch ihren Neffen Franklin mitgebracht, den ich schon aus meinem Besuch 2009 kenne. Um 0.00 Uhr wünschten wir uns alle frohe Weihnachten und die Kinder (und ich) durften ihre Böller, Raketen und Wunderkerzen zünden, dass macht man hier auch an Weihnachten. Als dann alles verschossen war, kam auch der Truthahn und es konnte gegessen werden. Truthahn, Reis, Kartoffeln, Salat und natürlich Panetón und heiße Schokolade. Nur Johannes bekam von dem nichts mehr mit, er war zu müde und schlief um diese Zeit schon tief und fest. Am nächsten Morgen gab es noch mal Truthahn.

Am Mittag waren wir dann zu Fanny P.s Verlobten und dessen Familie eingeladen. Hier gab es ebenfalls Truthahn. Danach verabschiedete ich mich von Luz und ihrer Familie und machte mich auf zu Bazans. Hier waren auch Lorenzo und Teresas Arbeitskollegin Pilar eingeladen. Lorenzo kochte und zur Abwechslung gab es kein Truthahn, sondern Fisch und Pilzsoße. Was auch sehr lecker war.

Am 26.12. kehrte hier in Peru so langsam wieder Ruhe ein. Nur die Fahrkartenpreise waren noch auf Feiertagsniveau. An Feiertagen kostet die Fahrkarte um 50% mehr, bei Ausländern manchmal auch 100%.

Abends hat mich Claudete auf einen Kindergeburtstag von ihrem Patenkind eingeladen. Die feierte ihren 4. Geburtstag.Und Kindergeburtstag in Peru gehören nun für mich zu den Dingen „muss man mal erlebt haben, aber wenn es geht kein 2. Mal“. Es war ganz interessant. Und zwar schwirrten ca. 20 Kinder rum, eins lauter als das andere. Es gab nur Süßigkeiten und Torte zu essen. Das Geburtstag Kind war in einem Prinzessinnenkleid, wie man es den Disneyfilmen kennt. Alle warteten auf das Geburtstagskind. Als es dann zur Party kam, begann die „hora loca“ (die verrückte Stunde). In der alle tanzten und danach wurde die Piñata freigegeben.

Für die, die Piñata nicht kennen. Piñata ist ein aus Pappmaché oder Karton gebildeter Behälter in vorm irgendwelcher Tiere oder Fantasiewesen oder was den Herstellen sonst so einfällt. Das wird mit Süßigkeiten, Kinderspielzeug, Luftballons und Konfetti gefüllt. Auf einer Party wird dann mit einem Stock so lange dagegen geschlagen bis die Piñata zerstört ist und der Inhalt herausfällt. Auf das stürmen dann meisten alle egal ob alt oder jung.

Es war eigentlich schon lustig nur für jemanden wie mich, die ich nicht viel mit Kindern zu tun habe eindeutig zu laut. Und zu kitschig, aber das bin ich ja mittlerweile von Peru gewohnt.

Allerdings muss ich sagen, bis auf die Weihnachtsfeiern wollte bei mir im Dezember nicht wirklich Weihnachtsstimmung aufkommen. So hörte ich als ich z. B. einmal eine Blaskapelle „Stille Nacht“ spielen, als ich gerade mit meiner Mama telefonierte und war total verwirrt bis mir einfiel, dass an dem Tag der 1. Advent war. Das Ganze liegt wohl daran, dass es hier so langsam immer mehr Sommer wird und mir einfach die Kälte fehlt. Ich weiß das mich in Deutschland gerade einige beneiden, denn hier hat es mittlerweile tagsüber an die 30°C und Nacht nicht weniger als 20°C. Und durch die Nachrichten und einige Telefonate und Chats weiß ich, dass es in Deutschland einen der schneereichsten und härtesten Winter gab seit langer Zeit. Aber ich muss euch gestehen ich beneide euch, seit eigentlich schon immer wünsche ich mir weiße Weihnachten und nie gab es eine komplett weiße Weihnacht für mich. Jetzt gab es sie in Deutschland und ich sitze in Peru bei strahlendem Sonnenschein. Ich glaube ich habe mir definitiv das falsche Jahr ausgesucht, denn ich liebe Schnee. Aber man muss die Dinge nun mal so nehmen wie sie sind und das bedeutete für mich heiße Weihnachten.

Auch ansonsten wirkte das weihnachtliche Lima äußerst unecht. So gab es falsche Schneemänner, falsche Tannenbäumen und das alles mit vielen bunten Lichtern, die den ganzen Tag kitschige Weihnachtsmusik abspielen. Es liefen dick eingepackte Weihnachtsmänner rum. Alles eben sehr westlich bzw. sehr wie auf der Nordhalbkugel, auf der gerade Winter ist, und das passt nun mal einfach nicht. Mir hätte es lieber gefallen, wenn sie eine Palme geschmückt hätten, statt eines unechten Tannenbaums, denn echte gibt es hier nicht. In einem Supermarkt boten sie sogar Schnee an, also unechten mit einer Schneekanon. Schnee kennen hier viele nicht. So sind meistens die Kinder, aber auch Erwachsene, in meinem Umfeld immer wieder überrascht, wenn ich ihnen Bilder aus Deutschland zeige mit Schnee und Eis. Schnee gibt es zwar auch in Peru, aber nur in den Anden, bei allen anderen Peruaner bedeutet kalt 10°C. Und in Lima wird es ja auch meistens nicht kälter.

Dennoch hatte ich ein wunderschönes Weihnachten auch wenn mir meine Familie doch ein bisschen fehlte. Wie die Hochzeit von Fanny P. verlief und was ich an Neujahr so machte kommt im nächsten Bericht, damit ihr nicht so viel auf einmal lesen müsst ;-)

Liebe Grüße Sabrina

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