10 Monate FSJ bei der CAJ - oder 10 Monate "Sehen-Urteilen-Hanlden"

Nun bin ich schon fast wieder 4 Wochen „raus aus dem Geschäft“. Nach 10 Monaten bei der CAJ endete mein Freiwilligendienst am 30. Juni. Zeit, etwas Bilanz zu ziehen.

Als ich im letzten Herbst mein FSJ begann, war mir die CAJ noch ziemlich unbekannt. Vielmehr als das, was man beim ersten Stöbern so im Internet fand, war mir nicht bekannt. Eine hervorragende Gelegenheit, die CAJ besser kennenzulernen war deshalb der Bundeskongress der CAJ in Essen -  gleich in meiner ersten Arbeitswoche, zu der ich mit vier weiteren Leuten aus unserem Diözesanverband anreiste.

Seitdem kann ich nicht nur das ein oder andere Arbeiterlied auswendig, sondern weiß auch, dass „wir immer wieder erst am Anfang“  stehen oder bevor wir handeln, erst einmal urteilen sollten. Und davor natürlich noch gründlich sehen! Dieser methodische Dreischritt sollte mich noch weiterhin in meiner Zeit bei der CAJ begleiten…

Bei der Diözesanversammlung im Oktober merkte ich wieder, wie wichtig der Dreischritt Sehen-Urteilen-Handeln für die inhaltliche Ausrichtung der CAJ ist. Mit viel Leidenschaft und teilweise auch Selbstkritik befassten sich die Teilnehmer der Diözesanversammlung mit den Grundlagen und Zielen der CAJ. Und stellten dabei fest, dass man sich dabei erst einmal über die „Grundlagen der Grundlagen“ klarwerden müsse. Dabei wurde deutlich: Die Verbindung des „C“ mit dem „A“ ist in der katholischen Jugendarbeit einmalig – und auch heute noch aktuell! Nicht ohne Grund hat sich der Bundesverband der CAJ „Prekäre Arbeit“ als Schwerpunktthema für die nächsten Jahre gesetzt.

Dass der CAJ heute vielerorts etwas das „J“, also engagierte Mitglieder abgekommen sind, steht leider außer Frage. Deshalb beschäftigte sich auch das Netzwerk Neuaufbau des CAJ-Bundesverbandes Anfang des Jahres in Mainz mit dem Thema Mitgliedergewinnung. Nach einem wieder mal ausführlichen Sehens- und Urteilensprozess wurden konkrete Projekte entwickelt, durch die neue Mitglieder für die CAJ gewonnen werden sollen. Trotz der Enttäuschung über sinkende Mitgliederzahlen und bereits gescheiterte Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung in den letzten Jahren spürte ich auch hier wieder den visionären Geist der CAJ,  wirklich etwas bewegen zu wollen.

Auch auf dem Zukunftsforum des Bundesverbandes Ende April in Würzburg spielte der methodische Dreischritt wieder eine große Rolle. Thema des Zukunftsforums war das Schwerpunktthema der CAJ „Prekäre Arbeit“. Angesichts der aktuellen politischen Diskussion über dieses Thema und der Positionierung der CAJ zu sozialpolitischen Themen im allgemein, könnte man meinen, dass hier das Sehen eigentlich schon abgeschlossen sei und viele Urteile (wie etwa „Prekäre Arbeit ist unsozial“) sowieso schon feststünden. Doch stand auf diesem Wochenende vor allem der Sehensprozess im Vordergrund. Beachtlich, weil viele der Teilnehmer mit klaren Vorstellungen und Urteilen auf dieses Wochenende gegangen waren. Doch wie ich finde zugleich auch nötig, um als Jugendverband fundiert zu diesem Thema politisch Stellung nehmen zu können. Dass prekäre Arbeit  zum Beispiel nicht nur von Arbeitgeber- sondern auch von Arbeitnehmerseite oft gewollt ist (man denke nur an die vielen „minijobbenden“ Studenten), war eine für viele eher neue Erkenntnis auf dieses Thema. Ich bin gespannt, welche Positionen die CAJ in nächster Zeit zu diesem Thema entwickelt und hoffe, dass es ihr gelingt, sich damit Gehör zu verschaffen.

Wie nun wohl bereits angeklungen ist, war auch für mich das letzte Jahr eine Zeit voll von „Sehen-Urteilen-Handeln“. Dass ich vieles Spannende gesehen habe (der Pfingsttreff, die verschiedenen Schülermentorenprogramme und die FSJ-Seminare der Caritas sollen hierbei natürlich nicht unerwähnt bleiben) und mir sicherlich das ein oder andere auch neue Urteil gebildet habe, zeigt, wie wertvoll diese Zeit für mich persönlich war. Genre möchte ich deshalb auch in Zukunft (dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass der dritte Schritt jetzt folgen müsste)mich als CAJler, der ich seit Mai bin, einbringen!

Grüße und vielleicht ja bis bald auf einer Veranstaltung der CAJ,

Felix Fuhr

Post new comment

The content of this field is kept private and will not be shown publicly.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.