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Die Wahrheits- und Versöhnugskommission Perus

Am Freitag ging es erstmal mit Packen fürs Seminar los. Als wir dann soweit fertig waren, bin ich mit Walter zum Casa de La Victoria gefahren. Dort hatten sich schon ein paar Seminarteilnehmer versammelt. Aber bevor wir zu dem Seminarhaus nach San Martin fuhren gingen wir erst noch auf eine Veranstaltung, zu der uns Pader Santiago eingeladen hat. In dieser Veranstaltung ging es darum, dass die Wahrheits- und Versöhnungskommission vor 7 Jahren ihren Schlussbericht verfasst hat und bis heute hat die Regierung noch keine der Empfehlung in die Tat um gesetzt.

Sabrinas Peru-Blog: Eingewöhnugszeit

Nun ist schon über eine Woche vergangen seit meinem ersten Tag in Peru. Hier was seit dem letzten Bericht passierte:

Sabrinas Peru-Blog: Endlich angekommen!

Nun sind die ersten Tage in Peru schon vergangen. Mein Flug verlief ereignislos. Und in Lima wurde ich dann auch schon nett begrüßt.

Sabrinas Peru-Blog

Hi Leute,

mein Name ist Sabrina Braun. Und ich werde dieses Jahr für die CAJ Freiburg als Freiwillige zur JOC Peru gehen. Daher werde ich auf der CAJ Homepage einen Blog errichten, damit ihr wisst, was ich so alles erlebe.

Für die, die mich noch nicht kennen, hier ein paar Eckdaten.

Die letzten Wochen... Rückkehr am 20. abends !!!

Hi ihr hab schon wieder einige Wochen nix von mir hören lassen :(

Mir gehts soweit ganz gut. Etwas Abschiedesstimmung hab ich schon, aber auch die riesige Vorfreude auf zuhause, Freunde und Familie :).

Also was war den so in letzter Zeit los??

Ah ja, meine Abschlussfeier war am letzten Montag, war echt nett es waren Geisen und Nayeli für die Nationalleitung da, die JOC -Lima war komplett erschienen mit Abraham, Io, Franklin, Edita und Merly. Eswaren außerdem noch einige Damen der Iprofoth da wobei ich von denen nur Abrahams Mutter gut kannte den Rest halt nur von einigen malen kurz was helfen. Marco war mit seiner Familie da :), sowie Renate mit Familie die grad auf einem Zwischenstop in la Victoria, war bevor es weiter ging nach Cusco.

Es war echt nett die JOC - Lima, hat mir ein Video zusammengestellt mit Bildern was wir uns dann auch gleich angekuckt haben, danach wurde ich aufgefordert das Namenspiel " dem Bobel sei Sau " anzuleiten auf Spanisch " Quien tiene mi Chanchita ? " Was heißt: Wer hat mein Schweinchen? :)

Danach gabs noch Lomo Saltado zu essen und ich bekam ein Peru T-Shirt von der Nationalleitung. Es war echt super ich hatte nich gedacht das so viele kommen.

Okay und was noch... ach ja, ich bin grad am schreiben von meinem Abschlussbericht der is schon fast fertig  :).

Im Moment such ich mir auch noch die Leute die ich zur Partnerschaft Interviewen kann, mit Marco und Teresa werd ich anfangen :).

Okay ich glaub des wars für heute auch schon wieder machts gut, ich denk ich werd wohl noch einmal schreiben vor meiner Rückkehr.

Hier gehts drunter und drüber....

Ich muss euch wieder einmal etwas nicht so tolles Berichten:

Walter wurde in der letzten Woche beurlaubt, wegen wiederholter nicht eingehaltener Absprachen . So wurde er ab Mittwoch den 30. Juni von seinem Amt beurlaubt.

Seit dem geht es hier drunter und drüber, da die Aufgaben um Verteilt wurden, ich somit auch etwas mehr die NL entlaste, wobei dies Teilweise sich etwas schwierig gestalltet.

Aber nun zu etwas Erfreulichem. Ich war am Freitag den 9. Juli in der Schule wo Luz arbeitet und habe mich, meine Arbeit, so wie das etwas unübersichtliche deutsche Bildungssystem vorgestellt. :) Die Schule ist eine Reine Jungenschule. Ich habe meinen Vortrag vor zwei klassen gehalten mit rund 48 Schülern. Ich war sehr nervös, da dies mein erster Vortrag auf Spanisch war der über eine Stunde ging und mit anschliesender Fragerunde. Wobei ich denke das ich diesen eigentlich ganz gut Gemeistert habe. Ich hatte mir eine Power Point Pesentation zurecht gezimmert und den Bammer der JOC mir geliehen. Ja, ich habe hier in Perú mir selbst bei gebracht wie Power Point und so funxt. Jaaaa, gut ich weis des is nich so schwer aber ich bin trotzdem stolz auf mich :) .

Was gibt es ansonsten noch zu berichten?

Ach ja, ich hab mir am Freitag die Zeit mal genommen um auf die absulute Vorpremiere von Twighlight 3 zugehen, ich bin echt ein Fan geworden von den Bücher bzw. Hörbüchern, zum Lesen bleibt mir ja kaum Zeit. Aber pst das darf keiner meiner Freundin erzählen, die findet den Paterson so toll den Darsteller von Edwart und dann will sie die Filme immer wieder sehen und ich hab keinen Bock dabei zu sitzen wenn sie wieder mal dahin schmelzt. Ja aber ich denke die Männer von euch verstehen mich sicher, auch wenn sie es vllt. nicht öffentlich zugeben dürfen.

Ja ok ich glaub ich hab es jetzt wieder soweit. Ich wünsche euch noch eine Schöne Woche.

Sorry

Hi ihr,

ich muss mich  echt Entschuldigen, ich habe schon viel zu lange nichts mehr von mir hörenlassen.

Ich hinterleg euch hier meinen Vierteljahresbericht.

Ich war in der letzten Woche krank und hatte Zeit so meine Sachen zu ordnen und ich möchte ab nun wieder Presenter hier sein.

LG Daniel

Einführung

Liebe  Leute,

für alle die mich noch nicht kennen, ich bin der Heizi, von Beruf Elektriker und schon so lange Mitglied in der CAJ, dass ich den Eintrittstermin vergessen habe.

Seit 2001 schreibe ich mehr oder weniger regelmäßig Berichte für das „Schwarze Brett“ über meinen Berufsalltag.

Das kam so: Irgendein Zivi hat am Ende seiner Dienstzeit über seine  Erfahrungen  einen Artikel verfasst und zum Schluss alle anderen ehemaligen Zivis dazu aufgerufen  es ihm gleich zu tun.

Ich, als einer seiner Vorvorvorgänger, fühlte mich angesprochen und hab meinen ersten Bericht verfasst….

Dann habe ich mal mehrere Monate lang kurz gearbeitet, genauer gesagt nur noch 20 Prozent, das ist exakt gerade noch ein Arbeitstag pro Woche. Da hatte ich dann jede Menge Zeit zum Schreiben. Also hab ich mal ein paar SB-Berichte auf Vorrat verfasst, aber dann sind leider so gut wie keine SB´s mehr erschienen.

Und damit nun all die Elektriker-Anekdoten nicht völlig nutzlos auf meiner Festplatte rumgammeln hab ich beschlossen diesen Blog einrichten zu lassen um sie euch zugänglich zu machen. Einige Berichte waren schon original im „Schwarzen Brett“, einige habe ich überarbeitet, aber die meisten kennt ihr noch gar nicht. Nach und nach werde ich versuchen sie hier in chronologischer Abfolge einzustellen. Außerdem könnten auch immer wieder mal Neue entstehen…

Unter heizi66@yahoo.de freue ich mich über Kritik, Anregungen oder einfach was ihr davon hält.

 

Viel Spaß beim Lesen!

Die Lehrzeit

Eigentlich wäre ich ja auch ganz gern Schreiner geworden, aber zu der Zeit als ich eine Lehrstelle suchte, benötigte man schon sehr gute Noten oder Vitamin B um eine zu ergattern. Ich verfügte über Letzteres und wurde so Elektriker. In den Schulferien machte ich eine Woche lang Praktikum. Die erste Baustelle war eine Kirche, wir arbeiteten überall, auch im Speicher und Turm, also Orte wo normal Sterbliche nicht hinkommen, was ich ungeheuer aufregend fand. Meine erste Aufgabe bestand darin leere Getränkeflaschen einzusammeln.

Gegen Ende der Woche fuhren wir zu einer Fabrik, da war ich auch noch nie. Zielstrebig steuerten wir eine Tür an auf der „Zutritt für Unbefugte streng verboten“ zu lesen war, ganz selbstverständlich, grade wie die eigene Wohnungstür, wurde sie geöffnet, und dahinter lag -die  Hölle. Drei mächtige Kompressoren erzeugten mit infernalischem Lärm die Druckluft für die ganze Fabrik und eine unvorstellbare Hitze. Ohne zu übertreiben, da drin herrschten saunamäßige Temperaturen. Neben den Kompressoren war die Elektroverteileranlage. Alle Abdeckungen waren abmontiert, die Stromschienen lagen offen da und als Sicherheitsmaßnahmen brüllte der Geselle mir ins Ohr: „Wenn du da hinlangst bist du hin“. Sonstige Schutzausrüstung hatten wir keine und das sollte auch die ganze Lehrzeit durch immer so sein, zu Beginn der 1980er Jahre galt das noch als uncool.

 Vor diesen Schienen hatte ich mordsmäßig Respekt, und immer wenn ich mich bücken musste, kniete ich mich gleich hin weil ich Angst hatte hinein zu fallen. Ich hatte nichts zu trinken dabei, und wie merkwürdig, nach einiger Zeit verspürte ich gar keinen Durst mehr.

Alle waren mit mir in dieser Woche zufrieden und ich bekam die Stelle, leider hatte mir niemand gesagt wie eigentlich die Leitungen in normalen Häuser in die Wände kommen, das war mir bis zum Antritt echt nicht ganz klar, ich sollte es aber recht bald erfahren.

Die ersten Tage verliefen ganz gut, bis wir Leerrohre in eine Betondecke einlegen sollten. Ich verschon euch mit baulichen Erklärungen, es ging darum Löcher von unten noch oben (!) durch eine 8 cm Stahlbetonplatte zu bohren. Dazu bekam ich einen Boschhammer in die Hand gedrückt, das ist eine überdimensionale Bohrmaschine, die mit Bohrer gut und gern 15 Kilo wiegt. (Hilti TE 72, wenn dir das was sagt weißt du was los ist). Man steht also auf der Leiter und hat das Teil am Laufen, leider hat der Bohrer die unangenehme Eigenschaft ständig auf Eisenstäbe zu stoßen, dabei verhakt er sich unweigerlich, bleibt stehn und die Maschine samt Bediener beginnt sich zu drehen. Später hat mich so ein Manöver mal einen Teil eines Zahns gekostet Also hält man das Ding mit aller Kraft dicht am Körper und drückt dabei auch noch nach oben und spätestens beim dritten Loch bist du absolut erledigt. Und dann gibts ja noch die Sache mit der Schwerkraft. Der Bohrer, etwas dicker als ein Besenstiel, macht nämlich jede Menge Staub, und schon nach dem ersten Loch sieht man fast genauso aus wie die Rettungskräfte nach dem Einsturz des World Trade Centers.Auf dieser Baustelle waren sehr deutlich mehr als drei Löcher zu bohren

Unser Chef war ein Choleriker von der Sorte, entweder stinksauer und am Toben, oder gut drauf und dann Scheiße erzählen, dass einem schlecht davon wurde.

Einmal fuhr er für zwei Wochen in Urlaub, wir dachten natürlich das gelte auch für uns, die Quittung kam prompt. Am Morgen des ersten Tages als er wieder da war, wurden alle in einer Reihe aufgestellt und bekamen einen gut geplanten Riesentobsuchtsanfall vor den Latz geknallt, bei dem die Nachbarn zwei Häuser weiter locker mithören konnten.

So was war beileibe kein Einzelfall, besonders als Lehrling lebte man in ständiger Angst vor seinen Anfällen. War man mit einem Gesellen auf der Baustelle und hörte einen BMW in höheren Drehzahlen, stieg der Adrenalinspiegel sofort bedenklich.

Eines abends, (also nach Feierabend, die Fahrzeit von der Baustelle zum Betrieb zählte nicht als Arbeit) schickte er mich ins Lager um eine bestimmte Abdeckung  zu holen die ein Kunde wünschte. Ich düste runter und präsentierte das Teil in Rekordzeit aber er pflaumte mich an was ich mit dem Scheiß wolle, ich sollte sofort das Richtige und noch ein Schalter dazu holen. Mit dem besten Willen war im Lager nichts zu finden, ich war überzeugt die korrekte Abdeckung zu haben. Also nahm ich das ganze Paket wegen der Aufschrift und, wie merkwürdig, plötzlich war sie in Ordnung. Gerade als ich diesen Umstand melden wollte, bemerkte der Chef, dass ich den Schalter vergessen hatte und das nächste Donnerwetter brach los.

An einem morgens wurden wir wieder Mal alle in einer Reihe aufgestellt. Alle erwarteten den Anfall- aber nein es war das 10-jährige Jubiläum des ältesten Gesellen und zur Feier des Tages bekam er einen neuen Werkzeugkoffer überreicht. Merkliches Aufatmen bei allen.

Am Abend unterstrich die Chefin den feierlichen Anlass, indem sie versicherte, dass der Koffer auch wirklich nicht billig gewesen war.

Eines Tages kam ich am Mittag nach der Berufsschule ins Geschäft und erwartete einen netten ruhigen Nachmittag mit meinem Lieblingsgesellen, stattdessen nahm der Chef  einen der Geschäftswagen auseinander, verteilte einen seiner Kollektivanschisse und gab mir den Befehl das Auto bis zum Abend in seinen Ursprungszustand zu versetzen.

Hast du schon mal ein Auto gesehen, das jahrelang täglich benutzt wird und die Insassen grundsätzlich völlig verdreckte und verstaubte Kleidung tragen? Den Tacho konnte man nur ablesen weil jemand mit der Hand ab und zu den Staub weggewischt hatte, die Farbe des Armaturenbretts ließ sich nur erahnen und den Boden hätte man nur zu gießen brauchen um dort Kartoffeln zu setzen.  Mit Spachtel, Schwamm und Eimer rückte ich dem Dreck auf die Pelle. Natürlich war das Ergebnis nur dürftig, aber zum Glück war am Abend der Chef nicht da und ich hatten den pünktlichsten Feierabend aller Zeiten.

Etwas später sollte ich den  BMW vom Chef waschen. Davon hatte ich echt null Ahnung, weil wir zuhause gar kein Auto hatten. So war mir auch nicht klar, dass ich zu aller erst einmal den total vergammelten Schwamm auswaschen hätte müssen.

 So lange der Lack nass war schien alles in Ordnung, aber kaum war das Wasser getrocknet, sah der Wagen aus wie nach einer Saharadurchquerung. Ich fummelte da also lustlos rum, da trabte der Juniorchef an und belehrte mich in einem filmreifen Arrogant-Auftritt wie man ein Auto wäscht. Der Zustand des Schwamms wurde davon allerdings nicht besser, und das Saharaphänomen trat immer wieder auf. Der Chef kam, und auch er unterwies mich und zeigte mir seine Tricks, die bei mir nicht klappen wollten, und danach kam wieder der Juniorchef und zum Schluss hatte ich den Wagen dreimal hintereinander gewaschen.

An einem Freitagabend saßen wir Lehrlinge im Büro und schrieben gerade in bester Wochenendstimmung unsere Stunden auf, da versprach die Chefin demjenigen ein Eis der die Straße vor dem Laden fegt. Absolute Stille, alle machten sich hinter dem Stundenheft unsichtbar. Dazu muss man wissen, dass unser Laden in einer recht belebten Geschäftsstraße lag mit Eisdiele, Läden und Kneipen und man am Freitagabend gute Chancen hatte einen Bekannten zu treffen der schon frei hatte, während man selbst dämlich mit dem Besen in der Hand dastand. Es traf mich, und als ich fertig war fragte mich die Chefin was ein Eis mit zwei Kugeln kostet, 1,20 DM und die bekam ich dann auch auf den Pfennig genau.

Unsere Werkstatt hatte eine normale Haustür, raus kam man immer, rein nur mit dem Schlüssel, den hatte natürlich nur der Chef. Wollte man nun tagsüber Material holen, und es war niemand da, und das war fast immer so, dann musste man an der Tür zum Büro klingeln, eine der Verkäuferinnen öffnete und durch das Büro und den Laden kam man dann zum Lager. Dieser Bürodurchlauf war gefürchtet, allzu leicht  geriet man dem Chef oder der Chefin in die Fänge und ein Anschiss konnte man zu für Alles und jederzeit bekommen.

Eines Abends kamen wir an und man konnte den Chef durch das geschlossene Autofenster im Büro toben hören. Ein Blick des Gesellen genügte, ich wusste was mir bevor stand. Ich klingelte, jemand öffnete, ich trat ein, unheimliche Stille.

Ich: „Gute Obend“, Chef in der einen Ecke des Büros: “Gute Obend“ Chefin in der anderen Ecke weinerlich: „Gute Obend“, ich nichts wie durch und kaum im Laden angekommen ging das Gezeter weiter.

Die Chefin hatte mit dem Chef nicht gerade das große Los gezogen, da brauchte sie öfter mal ein Stärkungsmittel in Form von Klosterfrau Melissengeist. Sie schickte immer eine Verkäuferin weg um Nachschub zu besorgen, und um ihren Konsum zu tarnen ließ sie die Flasche als Geschenk einpacken. In Stresszeiten, wie vor Weihnachten und so, benötigte sie entsprechend eine höhere Dosis, und so konnte es vorkommen, dass man sie am Abend in bester aufgekratzter Partylaune vorfand, na ja, manchmal schlug ihre Stimmung dann auch ins Gegenteil um. Ein paar Mal half dann auch der Melissengeist nicht weiter, da kam dann ärztliche Hilfe in Form eines Krankenwagen und ich weiß auch nicht warum, jedes mal wenn das geschah, erwischte es mich mit dem Bürodurchlauf. Danach war sie dann immer für Wochen und Monate nicht mehr zu sehen, für die Verkäuferinnen muss das wie Urlaub gewesen sein, waren sie doch den ganzen Tag über ihrer Launen ausgesetzt, die mussten auch das gigantische Schaufenster putzen, die taten mir echt leid.

 

Irgendwann hielt der Chef an einem der Geschäftwagen eine neue Lackierung für notwendig, als Handwerker machte er das selber, in seiner Privatwerkstatt.

Nach der Grundierung mussten ein anderer Lehrling und ich diese mit der Hand glatt schleifen. Das haben wir einen Tag lang gemacht, nachdem er mich zu Beginn gleich mal ordentlich zusammengestaucht hatte weil ich den Wasserhahn nicht fand, dabei war ich noch nie zuvor bei ihm zu Hause gewesen.

Nach der eigentlichen Lackierung mussten wir zwei den ganzen abmontierten Kram wie Nummerschilder oder Blinkerabdeckungen wieder dran basteln. Zum Schluss blieb ein Spritzlappen übrig, vielleicht hatten wir keine Lust mehr weil Feierabend war, oder die Schrauben verloren, jedenfalls war klar: Das Ding kommt nicht mehr dran. Da der auf der anderen Seite sowieso schon fehlte, dachten wir es würde nicht weiter auffallen, aber die Entsorgung war ein Problem. Der Mülleimer kam nicht in Frage, da würde er gefunden werden, unter die Werkbank pfeffern erschien uns als gefährliche Zeitbombe und mit in das Geschäft nehmen war undenkbar. Da hatte ich die rettende Idee. Während der Fahrt einfach rausschmeißen und genau das hab ich dann auch gemacht.

 

Im Laden fielen jede Menge Kartons an, die wurden unten im Keller wo sich das Lager befand in einem extra Abteil gesammelt und mit der Zeit entwickelte sich da ein riesiger Berg. Da hatte der Chef die buchstäblich zündende Idee, sie sinnvoll zur Energiegewinnung einzusetzen. Die Ölzentralheizung ließ sich umstellen auf Holfeuerbetrieb, also wurde immer abwechselnd ein Lehrling abgestellt um die Kartons zu zerkleinern und zu verfeuern. Da saß man dann den ganzen Tag in dem engen, unbequemen Heizraum und schob ein Karton nach dem anderen in den Ofenschlund. Manchmal waren auch Styroporteile dabei, die heizen ungemein, hatte man einen ordentlichen Brocken hineingestopft, kletterte die Kesseltemperaturanzeige sofort auf schwindelerregende Höhen.

Der Vater der Chefin übernahm ab und zu auch diesen Job und führte gleich Rationalisierungsmaßnahmen ein. Mit einer kleinen selbstgebauten Kreissäge schnitt er die Kartons in handliche Stücke und stapelte sie fein säuberlich an der Wand im Heizraum vom Boden bis an die Decke. Eines Morgens kamen wir in die Werkstatt und der Brandgeruch war überwältigend. Offenbar hatte der ältere Mann vergessen die Ofentür zu schließen und das Feuer war etwas größer geworden. Zum ersten Mal sah ich einen vollständig ausgebrannten Raum. Seit dem weiß ich auch warum Heizraumtüren immer aus Stahl und so gebaut sind, dass sie von allein schließen.

Materiallieferungen kamen immer gleich palettenweise. Kam man am Abend nach der Arbeit in die Werkstatt und da stand so ein Ding, brauchte man gar nicht erst ins Büro zu gehen, man wäre doch zurückgeschickt worden. Das Zeug musste nicht nur aufgeräumt, jeder einzelne Posten sollte auch noch kontrolliert und auf dem Lieferschein abgehakt werden. Natürlich wollte man so schnell wie möglich nach Hause, da war die Versuchung groß, den Lieferschein einfach  abzuhaken und den Kram so schnell wie möglich zu verstauen und spätestens ab dem Ende meines zweiten Lehrjahrs fielen die Kontrollen dann gänzlich aus.

Eines Tages raunte mir ein Lehrlingskollege zu, der Chef hätte gefragt wer am Abend zuvor das Material kontrolliert hätte.

 Mein Adrenalinspiegel schnellte an den Max.-Anschlag.

Ich wurde dann auch angesprochen, aber da hat der Chef einen taktischen Fehler gemacht. Er fragte ganz direkt ob auch Schütze dabei gewesen waren, an die konnte ich mich erinnern, ich bejahte eifrig, und bin so gerade noch einmal glimpflich davongekommen.

Später stellte sich heraus, dass er gleich nach der Anlieferung einige herausgenommen hatte und ich das eigentlich bemerken hätte müssen

 

Zu unserem Kundenstamm zählten eine ganze Reihe von Industriebetrieben. Da gab es immer was zu tun, ein großer Teil unserer Arbeit spielte sich da ab.

Einer davon war ein metallverarbeitender Betrieb, da arbeitete auch mein Vater den ich dann immer traf, das war ganz nett. Viele der vorhandenen Drehautomaten konnte man nicht mal mehr als veraltet bezeichnen, die waren schlichtweg antik. Einmal wechselten wir Schütze (Relais) aus, Baujahr 1936. Die Maschinen standen dicht an dicht, es ging da sehr beengt zu und die Letzte in einer Reihe war zu groß, also hatte man die Außenwand durchschlagen und ein Arm der Maschine guckte ins Freie. Jede Einzelne von ihnen an sich war schon sehr laut, alle zusammen steigerten sich zu einem Staccato aus Kreisch,- Klirr- und Brummtönen in unvorstellbarer Lautstärke. Einige der Arbeiter benutzten sogar tatsächlich einen Gehörschutz. Alles war von oben bis unten völlig verölt, auf den Boden wurden Sägespäne gestreut und zusammengefegt damit sich keine Pfützen bildeten. Öffnete man eine Steuerung einer Maschine, dann sah es da drin aus, als hätte jemand einen Eimer voll Öl und Eisenspäne reingekippt. An einigen Maschinen fehlten alle Abdeckungen und das Kühlmittel spritzte nach allen Seiten, da hatten die Arbeiter dann Plastikfolie angebunden um dies so gut es ging einzudämmen. Die Luft war geschwängert von Öldunst. Alle Träger an der Decke an denen wir oft Leitungen verlegten waren manchmal bleistiftdick mit einer unbeschreiblichen schwarzen Dreckmasse bedeckt. Hatte man die einmal an den Händen dauerte es eine Woche bis er wieder ab war. Es ist der schlimmste Dreck den ich kenne.

In diesem Betrieb war ich zum ersten Mal dabei wie eine nagelneue Riesenmonster-CNC Maschine angeschlossen wurde. Ein Jahr später hat dann genau dieses Ding meinen Vater wegrationalisiert.

In einem anderen Metallbetrieb herrschten eher noch schlimmere Zustände. Da bekam ich mal den Auftrag die defekten Leuchtstoffröhren zu wechseln und zu meiner Überraschung hatten sich die Abdeckwannen der Lampen mit Öl gefüllt. Dies war offenbar durch die Luft eingedrungen und kondensiert. Vorsichtig nahm ich die Wannen ab, hielt sie schräg und ließ das Öl einfach auf den Boden laufen. Das fiel gar nicht auf und störte auch niemanden.

Einer unserer absoluten Dauerkunden war ein Galvanik-Betrieb.

Im Boden der Werkshalle befanden sich in einer Reihe tiefe Becken, gefüllt mit Chemiebrühe. In diese wurde mit Kränen Halterungen eingetaucht, an denen alle möglichen Metallteile hingen,  diese wurden dadurch veredelt, verchromt oder sonst was. Diese Becken dampften unentwegt, als Abluftanlage war in der Wand einen großen Ventilator montiert, aber genauso gut hätte man versuchen können durch Pusten den Nebel zu lichten, an manchen Tagen sah man kaum von einem Ende der Halle zum anderen, und so groß war die gar nicht. Musste ich an den Becken vorbei, versuchte ich immer die Luft anzuhalten, aber auf Dauer funktioniert das nicht besonders, und manchmal spürte ich ganz deutlich wie ein Partikel seinen Weg in mich gefunden hatte. Am Rande der Halle gabs mehrere Türen mit Metallschilder, die waren jedoch derartig verätzt, dass sie kaum noch zu entziffern waren. Alle paar Meter verkündete eine Tafel, dass Essen, Trinken und Rauchen in der Halle streng verboten war, aber die abgewrackten Typen an den Kränen rauchten alle Kette, damit sie den Gestank nicht so mit bekamen. Genau wie wir hatten sie außer Handschuhen keinerlei Schutzausrüstung, na ja immerhin, wir hatten nicht mal Handschuhe.

Richtig abgefahren war es jedoch im Keller, das war wie eine andere Welt. Durch einen schmalen, schlecht beleuchteten Gang, liefen an den Wänden und der Decke Hunderte von Rohren und Leitungen, alles war nass und muffig. An einigen Stellen tropfte das Chemiezeugs herunter, und da wo es auftraf hatte es große Löcher in den Beton gefressen. Auf Brusthöhe ging der Keller links und recht von dem Gang noch weiter, als Boden war da nur Erde und Kies und der Abstand zur Decke war so niedrig, dass man sich nur im Kriechen fortbewegen konnte. Beleuchtung war da keine, da zu arbeiten war richtig unheimlich.

Ständig wurde in diesem Betrieb irgendwas umgebaut, und jedes Mal rückten wir an um neue Leitungen zu legen. Musste dazu etwas abgeschaltet werden, konnte dies nur am Samstag außerhalb der Produktionszeiten geschehen. Es war der reinste Albtraum. Einmal haben wir 14 Stunden ohne Pause am Stück geschuftet. Bei so einer Aktion fing mal ein extradicker Schlauch der da so rumlag, plötzlich an eine Flüssigkeit auszuspucken, gleichzeitig brüllte jemand: “Die Salzsäure haut ab!“ Da sind wir aber auseinander gespritzt wie die Hühner wenn der Fuchs auftaucht.

 Zwischen den Chemiebecken herrschte ein Riesenwirrwarr an Rohren, Verstrebungen, Halterungen und Kabeln, alles zentimeterdick voller Chemiedreck Darin verlegten wir mal ein armdickes Kabel, der Chef stand auf einem Podest und brüllte Kommandos, nur die Peitsche hat gefehlt, und die Szene hätte sich überall während der Sklaverei in Amerika abspielen können, schwarz vor Dreck waren wir ja. Aus einer Mülltonne hatte ich mir ein Paar Handschuhe gefischt, sie waren zu groß, zerrissen und mindestens soviel Dreck wie Stoff daran, zog ich sie an gingen die Finger durch die Löcher und ich musste jeden Einzelnen an den richtigen Platz bringen, aber es war wesentlich besser als gar nichts.

Man tat gut daran sich nicht zu verletzen, die Wunden brannten fürchterlich, und wehe man bekam etwas ins Auge.

So etwas wie Freizeitausgleich war natürlich völlig unbekannt, ich glaube diesen Begriff lernte ich tatsächlich erst während dem Zivildienst kennen. Wir Lehrlinge hatten überhaupt keine Ahnung ob und was wir für diese Überstunden bekamen, nie hätte sich jemand getraut danach zu fragen. 5,50 DM auf die Stunde wurde gemunkelt, und irgendwann hab ich tatsächlich mal 900 Mark bekommen.

Nun müsste man meinen diese Fabrik wäre der Gipfel aller Horrorvorstellungen, tatsächlich ging ich da noch lieber hin wie in einen Kunststoff-Spritzguß- Betrieb. Die zimmergroßen Maschinen entfesselten einen mordsmäßigen Lärm und eine ekelhafte Hitze, als Atemluft gabs Plastikbrei. Unten auf dem Boden ging es ja noch, wir  aber turnten meistens auf 4 Meter-Leitern herum, im Sommer war das unerträglich, und im Winter holte man sich den Tod wenn man im T-Shirt ans Auto ging um Material zu holen. Zu zweit haben wir da mal ein hundsgemein schweres Kabel verlegt, jeder auf einer Leiter, ich hielt und der Geselle befestigte es, da wurde mir schwarz vor Augen, ich rief ihn um Hilfe, nie habe ich ihn so schnell eine Leiter runter und rauf flitzen sehen, und im allerletzten Moment nahm er mir das Kabel ab. Gerade noch so schaffte ich es auf den Boden zu gelangen und im Höllenkompressorverteilerraum (es war die gleiche Fabrik wie im Praktikum) erholte ich mich dann.

Eine Fabrikhalle als Neubau ist eine feine Sache. Der Eigentümer ist ja Unternehmer, somit ein vielbeschäftigter Mann, der keine Zeit hat zu gucken was die Handwerker auf seiner Baustelle so treiben. Dieser Umstand, und die Größe so einer Halle, lädt dazu ein sich attraktive Freizeitbeschäftigungen zu suchen. Damals verwendeten wir noch Porzellanklemmen um die Leitungen miteinander zu verbinden. Diese waren rund und passten exakt in unsere Installationsrohre. Was lag näher, wie deren Funktion als Blasrohr zu testen. Es war eine fürchterliche Waffe, die wir auch nur behutsam gegen uns einsetzten, Treffer am Kopf hätten verheerende Folgen gehabt. Eine gerade eingebaute, jungfräuliche Stahltür bekam das volle Ausmaß der Kräfte zu spüren, ein ähnliches Ergebnis hätte man nur mit viel Kraft und einem Hammer erzielen können.

In dieser neuen Halle sollten wir auch hoch oben die Lampen montieren, wir hatten natürlich kein Gerüst, das hätte ja Geld gekostet, aber da war schon ein mächtiger Kran montiert der auf zwei Schienen in der Halle hin und her fahren konnte. Der Geselle stellte die Leiter daran, kletterte hoch, zog am Kabel das Bedienteil zu sich und hatte so einen prima mobilen Arbeitsplatz. In regelmäßigen Abständen war die Deckenkonstruktion zu niedrig, als dass er auf dem Kran drunter durch passte, also hing er sich auf die Seite und sauste im Schnellgang daran vorbei. Einer meiner Lehrlingskollegen wollte auch mal Kran fahren. Kein Problem, solange die Stromversorgung in Betrieb ist, wird aber abgeschaltet und die Leiter ist  nicht in der Nähe, war man da oben regelrecht gefangen. Der Geselle erkannte diese Situation sofort, schaltete ab und probierte ausführlich die Blasrohrtechnik am lebenden Objekt. Den Reaktionen von oben nach zu urteilen, hat er sich dabei auch gar nicht ungeschickt angestellt.

 

Gegen Ende der Lehrzeit bekam ich selbstständige Aufträge, ohne dass ein Geselle dabei war.

Nun erschien mir zu dieser Zeit meine private Abendgestaltung als wesentlich wichtiger, wie die Arbeit, und manchmal hatte dies dann gewisse Auswirkungen. Und an einem von diesen Tagen sollte ich dann mal in einer Fabrik für Präzisions-Metallteile eine Verteilung erweitern.

Es war der einzigste modern eingerichtete Betrieb den ich kannte, der Boden war sauber, die Maschinen leise und über eine Lautsprecheranlage rieselte Radiomusik.

Ich schaltete also die Stromzufuhr für diese Verteilung ab und erwischte dabei die falsche Sicherung. Einen Stromprüfer hatte ich  nicht und ein richtiges Messgerät natürlich schon gar nicht und in der Meinung das Ding wäre stromlos fummelte ich munter darin herum.

Als ich eine zusätzliche Sicherung einsetzen wollte, überbrückte ich zwei Kontakte, der 380 V -Kurzschluß entlud sich in einem ultragrellen Blitz der durch die ganze Halle zuckte, gepaart mit einem gigantischen Donnerknall. Nach einem Moment absoluter Ruhe ging das aufgeregte Geschnatter der Belegschaft los, einige eilten herbei um zu sehen ob an mir noch alles dran war, so was hatte von denen noch nie jemand erlebt.

Ich auch nicht, und auch bis heute nie mehr.

(Phasenschluß an Drehstromschiene, abgesichert 63 A, nur so für euch Techniker)

Ein Jahr zuvor hatten wir in der gleichen Fabrik den Auftrag, am Tank der die Druckluft speichert  den Schalter auszutauschen, der den Druck überwacht und den Kompressor ausschaltet. Nachdem dies geschehen war wollten wir ihn natürlich ausprobieren, dazu musste am Tank der Druck abgelassen werden. Mein Kollege machte dies indem er den Zuleitungsschlauch kurzerhand einfach abriss. Die Luft entwich explosionsartig und weil ich dummerweise genau richtig davor stand, knallte sie exakt in mein Ohr. Da hatte ich dann das lauteste Ohrensausen aller Zeiten, aber ich machte mir deswegen nicht viel Gedanken.

Hinterher haben wir dann noch Rohre in eine Betondecke eingelegt, wie ich es am Anfang beschrieben habe, ich hatte wieder den Bohr-Job. Ich hab mir ein Tempotaschentuch ins Ohr gestopft, aber es hat nicht viel genützt. Drei Tage später wurde auf meinem linken Ohr ein Gehörsturz diagnostiziert und als Folgeerscheinung Tinnitus, der plagt mich auch heute noch und wird es wohl noch bis in alle Ewigkeit tun.

Während meiner Lehrzeit wurde auf Bauernhöfen Revisionen durchgeführt, das heißt eine Abordnung der Berufsgenossenschaft reiste von Hof zu Hof, um die Sicherheitseinrichtungen zu begutachten. Dazu gehörte auch die Elektroinstallation, die sich meistens  in katastrophalem Zustand befand, und ein Team von uns fuhr dann monatelang herum um die beanstandeten Mängel zu beseitigen.

Auf einem der Höfe war die Bäuerin wohl nicht mehr ganz richtig im Kopf, selbst vor uns lief sie nur mit Hose und Gummistiefel bekleidet herum. Die Hygienemaßnahmen in der Küche beschränkte sich scheinbar nur auf Fegen, und auch das nur in der rationellsten Form, alles erst mal auf einen Haufen, wie ein 40 cm hoher Hügel davon zeugte.

 

Winter. In der Nacht hatte es geschneit. Dirk, der Lehrling im Jahr über mir und ich sollten zu einem Hof fahren der wirklich am Ende der Welt lag. Alle frisch den Führerschein, Fahrpraxis gleich Null, die Straße wurde immer steiler, schmaler und eisiger. Rechts gähnte der Abgrund. Irgendwann waren wir an einem Punkt angelangt, da drehten sich die Räder nach vorn, unsere Karre rutschte aber einfach rückwärts weg. Ich fand das super lustig und spannend, schließlich war es ja nicht mein Auto, aber mein Kollege am Steuer, geriet in Panik und rief: „Lach doch nimme, lach doch nicht nimme.“ Irgendwie schaffte er es den Wagen an der Böschung zu verkeilen, da hingen wir dann schräg über die ganze Fahrbahn und blockierten sie völlig. Der nächste Bauernhof lag in Sichtweite und die Bewohner kamen gleich angelaufen um zu helfen. Das Auto wurde umgedreht und Dirk fuhr mit der Methode „Rollen lassen im ersten Gang“ an. Aber auch das war für die Begebenheiten noch  zu schnell, in einer gewaltigen Schneestaubwolke donnerte er hinunter wie ein Skispringer auf der Schanze, und wäre da nicht ein großer Schneehaufen gewesen, hätte die Fahrt vermutlich kopfüber im Bach geendet. Die Helfer riefen unseren Einsatz-Hof an, und der Bauer tuckerte im VW- Käfer herbei. Wir luden unseren Kram um, und der Käfer krabbelte auf Schneeketten den Berg hoch. Der Bauer hatte sich wohl auf die Aufzucht von Hühner spezialisiert die überall ihre Ausscheidungen hinterließen, es war kaum möglich nicht ab und zu mal hinein zu treten.

Das Gelände auf dem Hof war ein einziges großes Schlammloch, und nur mit dem Traktor befahrbar. Wir arbeiteten in der Nähe des Hühnerstalls, der Gestank war unerträglich. Alles starrte vor Dreck. Ich meine auf jedem Bauernhof ist mehr oder weniger alles dreckig, lässt sich halt auch nicht vermeiden,  hier aber wurde der Dreck zum Haupteinrichtungsgegenstand.

Zum Mittag konnten wir natürlich nicht nach Hause fahren, also wurden wir zum Essen eingeladen, es kostete mich allerdings Überwindung daran teilzunehmen.

Später hat sich ein Geselle mal geweigert auf diesem Hof zu arbeiten und mit Kündigung gedroht.

 

Diese Revisionen waren für unseren Chef wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Sie mussten ja gemacht werden, die Bauern konnten sich kaum weigern, und alles als Stundenlohnarbeit, da war es mehr oder weniger schon beinahe egal wie lange ein Auftrag dauerte.

Viel Zeit für Freizeitaktivitäten. Der Geselle perfektionierte die Blasrohrtechnik. Aus Papier und Isolierband fertigte er einen kleinen Trichter und befestigte an der Spitze einen Nagel. Kraftvoll abgepustet drang der Nagel gut einen Zentimeter in einen Holzbalken ein und konnte nur mit einer Zange wieder herausgezogen werden. Diese Weiterentwicklung konnte nun mit dem besten Willen nicht mehr gegen Kollegen eingesetzt werden. Der Legende nach soll er mal erfolgreich auf ein Huhn geschossen haben, der Nagel verfing sich im Gefieder und er hatte seine liebe Mühe ihn wieder zu bekommen, wäre halt auch ziemlich schwierig gewesen zu erklären warum plötzlich bei einer Henne ein Papiertrichter wächst.

Auch auf anderen Baustellen erweiterten wir unseren Horizont in Sachen Geschosstechnik erheblich. Die Zimmerleute verfügen über Tacker die mit Pressluft 7cm-Nägel ins Holz schießen können. Stolz zeigten sie uns die Reichweite ihrer Geräte. Als Krönung schossen sie an einem Baum einen kleinen Ast ab. Wir bekamen so ein Teil natürlich nie in die Hände.

Das konnte der Geselle nicht auf sich sitzen lassen. Bei solchen Gelegenheiten zeigte er gern seine Lieblingsvorführung: Der menschliche Stromleiter.

Dazu stellte er sich auf einen Ring Kabel, war also isoliert vom Erdboden, nahm in die eine Hand einen unter Spannung stehenden Draht, in die andere die Spitze eines Stromprüfers und forderte einen der Umstehenden auf den Prüfpunkt des Stromprüfers zu berühren. Dieser fing dann an zu leuchten.Damit beeindruckte er auch die knallhärtesten Typen.

Warst du schon mal in so einer Eierlegefabrik wo die Hühner in diesen Legebatterien eingesperrt sind? Ich nur einmal, und das hat auch gereicht.

Der Auftrag kam als Stromausfall, Fehler finden. Der war schnell gefunden, Mäuse hatten die Kabel angenagt und dabei Kurzschlüsse verursacht. Ich stehe inmitten Hunderten von Hühner, der Geselle auf dem Weg zum Schaltschrank. Es ist heiß und der Gestank kaum zu ertragen. Immer drei Hühner zusammen sind in einem Käfig eingesperrt, der so klein ist, dass sie kaum nebeneinander Platz haben, wollen sie sich bewegen muss eine über die anderen drüberkettern. Sie haben kaum Federn und blutige Wunden. Vor den Käfigen, die meterhoch gestapelt sind läuft eine Rinne mit Fressen, dahinter eine für die Eier und darunter die für den Kot. Der sammelt sich dann unter den Käfigen in einem  Graben.

Der Strom fällt aus, es ist stockdunkel, die Hühner machen einen Wahnsinnslärm, dazu die Hitze, und ich wage nicht auch nur einen einzigen Schritt zu machen aus Angst in diesen Graben zu fallen. Es war eine der längsten Zeiten die ich je erlebt habe, obwohl sie nur wenige Minuten dauerte.

Wie wir schon da waren und den Fehler so schnell behoben hatten, sollten wir auch noch einen Riesenventilator anschließen der die Hitze und den Gestank ins Freie befördern sollte.

 Drehstrombetriebene Geräte können auch rückwärts laufen und das war so ein Ding und vor dem Ausprobieren weiß man das nie so genau in welche Richtung das nun losgeht.  In den Gittern hatte sich jede Menge Dreck verfangen, so richtig eklig und ich stand genau dahinter als der Geselle einschaltete und weiter muss ich glaub ich nicht erzählen.

Zum Ende meiner Lehrzeit bekamen wir einen Riesenauftrag, den Umbau der örtlichen Sparkasse. Da führte der Chef ein Zwei-Schicht-System ein. Jeder arbeitete  8 Stunden auf seiner ganz normalen Baustelle, und danach noch mal alle zusammen weitere 6 in der Sparkasse. Hört sich erst mal fürchterlich an, aber da der Chef nur selten dabei war, ging es eher human zu. Die automatischen Schiebetüren konnte man in einen interessanten Modus umschalten, raus kam man ganz normal, rein, indem man mit den Händen die beiden Scheiben kurz auseinander drückte, der Rest ging dann automatisch. Den Leuten am Geldautomat ist als echt die Kinnlade runtergeplumst wenn man da mit diesem Trick einfach so durchmarschierte.

Auf jedem Schreibtisch stand ein nettes Schildchen mit dem Namen des jeweiligen Angestellten, alle so höchst offiziell mit Herr und Frau und Berufsbezeichnung. Wir fanden sie langweilig und änderten sie mit einem Edding-Stift unseren Vorstellungen entsprechend ab. Allerdings stand da auch ein Eimer mit Verdünnung herum, und außer dem Gestank dürfte niemand etwas mitbekommen haben. Es gab auch noch einen äußerst leistungsstarken Staubsauger, der saugte wirklich alles. Als ein Kollege es mal mit den Utensilien auf einem Schreibtisch probierte, verschwanden auch diese, und er musste das Gerät auseinander nehmen um sie wieder zum Vorschein kommen zu lassen. Wir montierten große Teile der vorhandenen Installation ab, das war richtig Klasse, kofferraumweise konnte man das Zeug ganz legal mit nach Hause nehmen. Da flog ein kompletter mannshoher Verteiler in den Müll, voller wunderbaren Steuerungselementen, die hätte ich mir wirklich gern gekrallt, aber der Juniorchef hatte auch schon Eigentumsansprüche angemeldet und da haben wir alles kaputt geschlagen. Ein Tag ist mir noch besonders in Erinnerung, nach insgesamt 12 Stunden Boschhammer-Tätigkeit bekam ich Nasenbluten, da bin ich dann außerplanmäßig früher heimgegangen.

 

 

 

Wieder

Falls tatsächlich noch jemand hier vorbeischaut, eine kleine Anmerkung meinerseits:


Ich bin gerade wieder in Peru, dieses Mal aber nicht bei der JOC. Deshalb habe ich meinen Blog jetzt wo anders hin verlegt. Falls es euch interessiert, hier der Link:

http://carolinxen.blogspot.com/


Und Bilder gibts hier:

http://picasaweb.google.com/Carolinxen

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qaöledk

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